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© Dominique Issermann / Sony
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Hintergrund
Leonard Cohen - Vorwiegend heiter
Liebe, Sex, Glaube, Ängste und - zu guter Letzt - der Tod: Leonard Cohen singt über das Leben, die ersten und letzten Dinge. Seit über 40 Jahren verpackt der Kanadier seine Gedanken in dunkle Folk-Chansons, begeistert mit poetischen Versen, ungewöhnlichen Bildern, religiösen Metaphern. Nur nach deren Sinn fragen sollte man ihn nicht. Denn Cohen erklärt sich und seine Songs nicht gerne.
Interviews sind selten, nur zu einigen Pressekonferenzen ließ sich der 77-Jährige im Vorfeld seines ersten Studioalbums seit acht Jahren überreden. Warum es den Titel "Old Ideas" trägt, wird er dort gefragt. Wisse er nicht, es hätte einfach gut geklungen, so Cohen. Und ergänzt, dass er ohnehin nur die "ganz gewöhnlichen Dinge" beobachte, sich Fragen stelle, die alle Menschen umtreiben würden. Seine Antworten machen ohnehin nur eines wirklich deutlich: Er hat zu sich selbst gefunden - und geht inzwischen in der Rolle des gelassenen und gewitzten Grandseigneurs voll und ganz auf.
Das zeigt sich vor allem, wenn es um die Interpretation seiner Texte geht. Nur zu gerne lässt er diesbezüglich Fragesteller ins Leere laufen: Ob man seine Songs - speziell den Opener des neuen Albums, "Going Home", - als ein Handbuch lesen könne, wie man mit dem Scheitern umgeht? Natürlich könne ein Lied so etwas sein, erklärt die Songwriter-Legende, "aber es kann auch dabei helfen abzuspülen oder sauberzumachen". Fragen wie diese kommen nicht von ungefähr. Schon auf seinem Debüt "Songs Of Leonard Cohen" (1967) klangen seine sonoren, gravitätischen Songs nach der Weisheit des Alters, legte die junge Folk-Szene die Worte des damals "schon" 33-Jährigen auf die Goldwaage. Aber: Abgeklärt agierte der Shootingstar damals nicht. Seine Gelassenheit ist das Resultat vieler durchlebter Höhen und Tiefen.
So war Cohen noch vor seiner Musikkarriere als junger Romanautor und Lyriker ein Kritikerliebling, aber nur mäßig erfolgreich. Als Songwriter wurde er zum gefeierten Star, dessen Stern aber spätestens Mitte der 70er-Jahre zu sinken begann. Zur gleichen Zeit kämpfte Cohen mit Alkoholproblemen und Drogenmissbrauch. Leonard Cohen litt zeitlebens unter Depressionen, begeisterte sich kurzzeitig auch für die Heilsversprechungen von "Scientology". Er war ein Frauenschwarm, hat zwei Kinder aus seiner Beziehung mit Suzanne Elrod (im Übrigen nicht die "Suzanne" aus dem gleichnamigen Song), war aber nie verheiratet. In den 90er-Jahren hinterging ihn seine Managerin und veruntreute fast fünf Millionen Dollar, um die der Musiker bis heute vor Gerichten kämpft. Und trotzdem: Cohen strahlt heute eine innere Ruhe aus, die er sich selbst kaum erklären mag.
Vorwiegend heiter
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Mit 77 Jahren immer noch ein unruhiger Geist: Leonard Cohen veröffentlicht sein neues Album "Old Ideas".
© Dominique Issermann / Sony
"Nun, das Alter hat sicherlich viel damit zu tun, das muss ich zugeben", lacht Cohen. "Ich weiß nicht, ob das mit Übungen oder Disziplin zu erreichen ist. Ich habe irgendwo gelesen, dass mit zunehmendem Alter gewisse Gehirnzellen absterben, die mit Ängsten zusammenhängen. Vielleicht liegt also alles nur an der Beschaffenheit der Neuronen." In seinem Falle ist es aber nicht nur der von ihm selbstironisch kommentierte Verfall des Körpers, der seine Gelassenheit erklärt. Über seine Depressionen ("Damit ist nicht ein schlechtes Date oder ein schief gelaufenes Wochenende gemeint") und deren Überwindung spricht Cohen heute offen. "Das Gefühl zu haben, dass nichts richtig läuft, dass man keine Lebensfreude verspürt, dass alle deine Pläne scheitern, damit war ich sehr vertraut. Aber ich bin froh, dass ich sagen kann: Mit Glück und dank guter Lehrer ist diese Depression - spät in meinem Leben - verschwunden."
Einer dieser Lehrer war der heute 104-jährige Zen-Meister Kyozan Joshu Sasaki. 1994 zog sich Cohen in dessen Zentrum "Mount Baldy" in der Nähe von Los Angeles zurück und lebte fünf Jahre dort als Mönch namens Jikan in Abgeschiedenheit. Und dies sei kein Widerspruch zu seinem jüdischen Glauben, so Cohen: "Dieses Training ist nicht religiös motiviert, man studiert dort die Natur der Dinge, wie Subjekt und Objekt auseinandergehen, wie beide zusammenfinden. Es gibt keine Gebete an eine Gottheit, nur die Hingabe an das Leben in einer Gemeinschaft." Cohen sieht sich nicht als erleuchteter Prophet. Dass eine Last von ihm fiel, merkt man seinen Worten aber heute noch an. So kann er inzwischen auch über sein Mönchsdasein witzeln. Auf die Frage, ob ihm in dieser Zeit nicht die Musik gefehlt habe, antwortet er trocken: "Man kann vor sich hinsummen. Das ist nicht verboten."
Auch bezüglich anderer Themen hat er stets ein Bonmot parat: Reinkarnation? "Ich verstehe den Prozess nicht. Aber wenn es so etwas gibt, würde ich gerne als Hund meiner Tochter zurückkehren." Ob seine Stimme noch tiefer werden könne? "Das passiert, wenn man zu rauchen aufhört - entgegen der allgemeinen Annahme. Ich dachte auch, es würde alles zerstören und meine Stimme in Sopranhöhen rutschen." Die Kritik an seinem früher einfachen Gitarrenspiel? "Sie behaupteten, ich könnte nur drei Akkorde. Dabei waren es fünf."
Schließlich kommt natürlich die fast schon unausweichliche Frage: die nach seiner Sicht auf den Tod. "Ich bin - widerwillig - zu dem Schluss gekommen, dass ich sterben werde." Gelächter unter den Journalisten. "Aber natürlich kommen diese Fragen auf und ich spreche das Thema an. But I like to do it with a beat."