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stereoplay Konzertsäle La Scala Mailand

Die große Strahlkraft der Vergangenheit - Italiens berühmtestes Opernhaus, die Mailänder „Scala“, darf endlich wieder den Glanz alter Tage versprühen.

La Scala Mailand
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© ph Brescia/Amisano © Teatro alla

Wenn die Rede auf Mailand kommt, dann meist wegen der Mode, der nervenaufreibenden Verkehrssituation oder dem Teatro alla Scala.

Die Mailänder Scala  gilt heute als klanglich überragend. Das war früher jedoch eher zweitrangig. Damals bildete die Scala den Mittelpunkt des sozialen Lebens – der Besuch erfolgte weniger aus kulturellen als aus repräsentativen Gründen.
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© ph Brescia/Amisano © Teatro alla
Die Mailänder Scala gilt heute als klanglich überragend. Das war früher jedoch eher zweitrangig. Damals bildete die Scala den Mittelpunkt des sozialen Lebens – der Besuch erfolgte weniger aus kulturellen als aus repräsentativen Gründen.

Mit den beiden Letztgenannten verhält es sich so: In den Stadtverkehr will man eigentlich nicht, doch einmal drin, möchte man rasch wieder hinaus. Andersherum bei der Scala: Hier will man gern hinein, doch das ist nicht ganz einfach, denn die Eintrittskarten sind heiß begehrt: Das tatsächliche Angebot wird von der Nach­frage deutlich übertroffen.

Doch obwohl die Ticketpreise meist im dreistelligen Bereich rangieren, erfreut sich die Scala ungebrochener Beliebtheit. Dabei ist der Bau ­äußerlich unauffällig, und im Innern sieht man längst nicht mehr jene Auftritte, über die die Welt spricht. Auf die Ikonen der Gegenwart ist man in Mailand aber nicht angewiesen, denn die Strahlkraft der Scala speist sich aus vergangenen Zeiten, in denen sie als leuchtender Fixstern des Musikkosmos galt.

Im 18., teils noch im 19. Jahrhundert war ein Besuch dort allerdings eine wenig andächtige Angelegenheit. Während der Aufführung tätigte man im Schein der Öllampen Geschäfte und frönte der Konversation. Ein Zeitzeugenbericht schildert eine Nebengeräuschkulisse, die wohl manchem Opernliebhaber sauer aufstieß.

Klangkost à la Scala: Nach wie vor steht die berühmte Spielstätte für große Oper. Freie Eintrittskarten sind Mangelware.
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© ph Brescia/Amisano © Teatro alla
Klangkost à la Scala: Nach wie vor steht die berühmte Spielstätte für große Oper. Freie Eintrittskarten sind Mangelware.

Ungeachtet dessen wurde in der Scala immer wieder Musikgeschichte geschrieben. Dutzende Weltpremieren, darunter prominente Werke von Verdi und Puccini, aber auch zahllose Vokalisten sind für den Nimbus des Hauses verantwortlich. So versetzten Jahrhundertstimmen wie die von Maria Callas oder Plácido Domingo die Mailänder regelmäßig in Verzückung.

Mehrsprachiges Display-Textsystem über die sich der Operntext multilingual verfolgen lässt,sind in die Sitze integriert
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© ph Brescia/Amisano © Teatro alla
Mehrsprachiges Display-Textsystem über die sich der Operntext multilingual verfolgen lässt,sind in die Sitze integriert

Zupass kam ihnen dabei die Akustik des Gebäudes. Das vielfach gelobte Resonanzverhalten wird mittels einer hohen gewölbten Decke erzielt, die den Gesamtklang maßgeblich aufbessert. Ebenso mit Bedacht konstruiert wurden die Logen. Sie verfügen über recht kleine Öffnungen, die nicht viel Schall verschlucken. Den Großteil reflektieren die Logenbrüstungen, was den Raum voluminöser wirken lässt.

Klasse, Klang und Glamour machen schnell vergessen, dass die heutige Scala überwiegend aus den 1950er Jahren stammt, da Bombardements während des Zweiten Weltkriegs das Original massiv beschädigt hatten. Doch flugs ging man die Rekonstruktion und Reparatur an. So konnten sich die Mailänder bereits 1946 wieder ihres Opernhauses rühmen. Nach und nach offenbarte sich allerdings, dass beim Wiederaufbau manches nicht sorgfältig ausgeführt wurde. Auch deshalb stand vor zehn Jahren eine kostspielige Sanierung an, mit der man den Stararchitekten Mario Botta ­betraute.

Unter der Aufsicht des Schweizers wurde ein Bühnensystem installiert, das es ermöglicht, innerhalb von 24 Stunden drei Stücke zu spielen. Die Bühne und die neuen Hinterräume beglücken hauptsächlich Ensemble und Mitarbeiter, doch das Publikum profitiert ebenfalls: Seit der Großrenovierung sind in den Sitzen Bildschirme des „Electronic libretto“-Sys­tems integriert. Über jene Displays lässt sich der Operntext multilingual verfolgen, was den internationalen Charakter des Hauses einmal mehr unter­streicht.

  • Erbaut: 1776-1778 (Sanierung: 2002)
  • Architekten: Giuseppe Piermarini, Mario Botta (Sanierung)
  • Nachhallzeit: 1,2 Sekunden (voll besetzter Saal)
  • Besucher pro Jahr: 450 000
  • Besonderheit: Mehrsprachiges Display-Textsystem (in die Sitze integriert)

 
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