Report – die AUDIO-Titel-CDKEF - Tradition und Innovation
Nach dem glanzvollen Start in den Sixties und den glorreichen 70er Jahren blieb die englische Lautsprecherschmiede KEF auch in den 80ern auf Erfolgskurs. AUDIO lässt die Geschichte einer innovativen Company in fünf Folgen Revue passieren.
Legendäre Rock-Hits in spannenden Versionen, große Klassik-Aufnahmen mit Star-Dirigenten und Solisten: Folge 3 der KEF-CD-Reihe bringt wieder fast 80 Minuten Musik-Highlights aus den 80er Jahren. Teil 3 der fünfteiligen KEF-Jubiläumszeitreise in AUDIO.
Manche Events sind so eindrucksvoll, dass man sie einfach nicht vergisst. KEF setzte vor gut 30 Jahren solch einen Meilenstein: Nachdem Firmengründer Raymond Cooke 1979 mit dem „Order of the British Empire“ mit Ritterehren bedacht wurde und die Musikkünste unterstützte, sollte die britische Lautsprechermarke beim Edinburgh Festival 1980 HiFi-Geschichte schreiben – mit einem fulminanten Auftritt der Reference-Serie.
Beim Edinburgh Festival 1980 erreichten die Klänge des weit entfernt spielenden Organisten via Funkübertragung und über Modelle der KEF-Reference-Serie die Usher Hall und Dirigent Claudio Abbado.
Während in der Usher Hall das Te Deum (Hector Berlioz) unter Leitung des Stardirigenten Claudio Abbado erklang, stand die werkprägende Orgel ein paar Kilometer entfernt in der St. Mary’s Cathedral. Der Clou: Die Orgeltöne wurden via BBC-UKW-Funk auf 36 Modelle vom Typ Reference 105/2 übertragen, befeuert von Quad-405-Verstärkern. Ein live-haftiges Erlebnis mit Erinnerungswert.
erfolgsmodelle: Die Coda II und die Carlton II avancierten dank tollem Preis-Leistungsverhältnis zu Boxen-Bestsellern.
Und eines, das die Kompetenz von KEF in Sachen Lautsprecherbau Anfang der 80er Jahre belegte. Eine Fertigkeit, die damals schon weltweit Beachtung fand und einen Teil ihrer Wurzeln in den 60er und 70er Jahren hatte. Damals verwendete Raymond Cooke innovative Materialien wie Bestren, das hohen Temperaturen wie auch Luftfeuchtigkeits-Schwankungen trotzte. Zum anderen setzte KEF als weltweit erster Lautsprecherhersteller auf neuartige digitale Testmethoden, deren Daten eine präzisere Gestaltung von Frequenzweichen und Treiberchassis zuließen.
1981 war das Jahr der erschwinglichen Modelle wie der Carlton II oder der Coda II. Letztere eroberte als klassisch gestylte Zweiwege-Box die Herzen vieler Musikfreunde, auch dank ihres innovativen Tiefmitteltöners mit Papiermembran. Die Carlton II arbeitete mit dem Prinzip der Passiv-Radiatoren, das die Effizienz von Bassreflex-Boxen und die Impulstreue geschlossener Lautsprecher zu vereinen versucht.
In den 80er Jahren entwickelte KEF einige technische Neuerungen wie das dual gekoppelte Bassreflexsystem, mit dem die Bassleistung deutlich verstärkt werden konnte. Außerdem wurde ein Dämpfungssystem und eine Treiberentkopplung eingeführt, um Klangverfärbungen durch mechanische Schwingungen der Treiber-Chassis-Einheit zu minimieren. „Conjugate Load Matching“ sollte die elektrische Ladung am Verstärker mindern. Und der „KEF Universal Bass Equalizer“ (KUBE) half dem Bass bei kompakten Gehäusen auf die Sprünge.
KEF nennt die verdeckt eingebauten Basstöner, die ähnlich dem Bandpass-Prinzip auf eine ventilierte Kammer arbeiten, schlicht Coupled Cavity.
„Coupled Cavity“ wiederum stand für ein neues Gehäusekonzept. Dabei brachten die KEF-Ingenieure zwei Tieftöner gegenphasig zwischen zwei Kammern an – eine der Kammern ist geschlossen, die andere hat eine Bassreflexrohr-Öffnung. Dadurch können die Tieftöner so arbeiten, als ob sie in einem wesentlich größeren Gehäuse eingebaut wären. Die Vorteile sind ein tieferer Bass, ein höherer Wirkungsgrad und eine präzisere sowie verzerrungsfreiere Wiedergabe. All diese Funktionen wurden schließlich 1984 in das Modell Reference 104/2 integriert, das damit weltweit zum Verkaufsschlager wurde.
In den Studiomonitoren KM1 verbaute KEF erstmals Mitteltöner aus Polypropylen – das Material ist noch heute tonangebend im Lautsprecherbau.
Ebenfalls 1984 traten die Studiomonitore KM1 ihren Eroberungszug an. Sie waren für die hohen Ansprüche der BBC konzipiert – das erste Paar gab fortan in den Maida Vale Studios des Senders den Ton an. Die KM1-Modelle wurden kompromisslos auf Linearität getrimmt. Die Mitteltönermembranen bestanden dabei das erste Mal in der Geschichte von KEF aus Polypropylen.
1985 wurde KEF Electronics of America gegründet. Im gleichen Jahr gingen mehrere Car-Audioprodukte an den Start, darunter ein Subwoofer mit gekoppeltem Reflexsystem. Im Jahr 1986 wurde das Reference Model 107 um drei Features ergänzt, indem es quasi das Beste aus den Modellen 104/2 und 105/2 übernahm. 1987 kamen dann wandmontierte Wandler auf den Markt. Die damals spektakulären In-Wall-Lautsprecher basierten auf den Schallwänden K1 und K2 aus den 1960er Jahren.
Äußerlich recht „normal“ anmutend, verblüffte das Modell 105/3 im Innern mit einem in die Basseinheit verbauten Hochtöner – die Geburt der „Uni-Q-Technik“ und der Einpunkt-Schallquelle.
1988 hielten schließlich neue magnetische Materialien aus Neodym, Eisen und Bor Einzug in die Produktion. Die von der NASA entwickelten Stoffe wiesen die zehnfache Leistungsfähigkeit von herkömmlichen Lautsprechermagneten auf und läuteten die Ära des revolutionären Uni-Q-Systems von KEF ein. Mit dieser Technik der Einpunktschallquelle konnten die KEF-Ingenieure einen Hochtöner so klein gestalten, dass er in die Schwingspule und somit in das akustische Zentrum der Basseinheit integriert werden konnte. Erstmals gab es so eine einzige Klangquelle. Die Konsequenz: Der optimale Hörbereich wuchs deutlich. Ein Meilenstein, durch den sich KEF nach wie vor von der Konkurrenz absetzt. Das Klangbild wirkt so natürlich, als ob die Musiker unmittelbar im Raum stünden.
Kreativ, erfolgreich, flexibel: Seit einem halben Jahrhundert prägt die britische Lautsprecherfirma KEF mit spannenden Produktkonzepten die HiFi-Szene. AUDIO gratuliert herzlich zum 50. Firmenjubiläum – und lässt die Geschichte einer renommierten Company in fünf Folgen, mit je einer Titel-CD aus jeweiligen Dekade Revue passieren.
Hits von Disco-Funk bis Wavepop sowie große Klassik-Aufnahmen mit Top-Dirigenten und Ausnahme-Solisten: Folge 3 der KEF-CD-Reihe bringt fast 80 Minuten Musik-Highlights aus den 80er Jahren.
Ob früh in seiner Karriere bei Wolfgang Schmids Jazzrock-Projekt Special Kick, ob mit einem „HipJazz“ getauften Stilmix aus Jazz und HipHop (im Duo mit Bass-Ass Hellmut Hattler beim Ausnahme-Projekt Tab Two), ob als Solist und Komponist für Acts wie De-Phazz, die Jazzkantine oder sogar Tina Turner: Joo Kraus, geboren 1966 in Ulm, gehört zu den profiliertesten Persönlichkeiten der deutschen Musikszene, sein Trompetenspiel, mal stählern-klar, mal watteweich und atmosphärisch, zu den prägnantesten der Republik.
Und längst ist Joo Kraus auch als Solointerpret eine feste Größe in der deutschen Szene – und beweist ein feines Händchen dafür, einerseits ein glaubwürdiger Jazz-Interpret zu bleiben und zugleich ein jüngeres Publikum im Grenzbereich zu Rap, Funk und Rhythm & Blues anzusprechen und diese Stile jugendkompatibel auszugestalten – nachzuhören etwa auf dem 2003er-Werk „Public Jazz Lounge“.
Auf dem Spielplan dieses in AUDIO 12/2003 zur Pop-CD des Monats gekürten Albums: „Classic Tracks“ aus Jazz, Pop und R & B in zündenden Big-Band-Arrangements und mit viel frischem Flair (zum Beispiel mit englischen und deutschen Rap-Parts) aufbereitet.
Famos verzahnte Kraus seinen Trompetensound hier mit dem breitwandigen, aber straffen Sound der SWR Bigband und hauchte Klassikern wie „Scarborough Fair“, „Hounds Of Winter“ oder „Venus As A Boy“ frisches Leben ein. Eines der Highlights: George Bensons Disco-Funk-Knüller „Give Me The Night“ aus dem Jahr 1980, von Kraus-Kompagnon Markus Lang gewitzt als „Gib’ mir die Nacht“ ins Deutsche übertragen.
Kraus’ verblüfft mit charmantem Sprechgesang, Bass und Drums schieben den Track mächtig Richtung Dancefloor, die Bläser kommen gestochen scharf – und der cinemascope-artige Sound sitzt wie ein perfekt geschnittener Maßanzug.
(Skip Records; aus dem Album „Public Jazz Lounge“; Skip 9040-2 / Soulfood)
Seit Mitte der 80er schon gehören die Jungs aus Hannover zu den bekanntesten Acts der deutschen Hard-&-Heavy-Szene. Aber auch bei Victory stehen, ähnlich wie bei den Scorpions, die Zeichen auf Abschied: Das im Frühjahr erschienene Werk „Don’t Talk Science“ soll tatsächlich das letzte unter dem Victory-Logo sein.
Was man eigentlich gar nicht richtig glauben mag, lässt das Quintett hier doch die Tasten und Felle glühen wie in besten Zeiten: Tommy Newton und Herman Frank feuern tempo- und dynamikreiche Gitarren-Gewitter ab, die Rhythmusgruppe mit Peter „Fargopedda“ Knorn (Bass) und Achim Keller (Schlagzeug) sorgt in jeglichen Geschwindkeitsbereichen für satten Schub und Power, und Shouter Jioti Parcharidis präsentiert sich einmal mehr als würdiger Nachfolger der legendären Frontmänner Charly Huhn und Fernando Garcia.
So gibt es elf Mid- und Uptempo-Titel im klassisch-opulenten Victory-Sound – und zwei Coverversionen mit Aha-Effekt: Liegt „Waiting For The Wind“ von Spooky Tooth noch halbwegs im Rahmen der Erwartungen, so steht mit dem Pointer-Sister-Klassiker „I’m So Excited“ eine echte Überraschung auf dem Spielplan. Der Disco-Evergreen aus dem Jahr 1982 mutiert hier zu einem Rocker der Extraklasse.
Stand das Original der Pointer-Ladys noch im Zeichen eines leicht swingenden Grooves und charmanter Harmony-Vocals, so wird die Neuauflage dank dampfwalzenartiger Drum-Power, pfeilschneller Riffs und Parcharidis’ kerniger Stimme zu einer echten Headbanger-Hymne – die aber dank eingängier Refrainstruktur und Melodieführung ihr ganzes Potenzial als Pop-Klassiker beweist.
(Golden Core; aus dem Album „Don’t Talk Science“, GCR 20058-2 / ZYX Music)
Auch wenn sich der Disco-Boom zu späten Großtaten aufschwang – eigentlich standen die 80er Jahre über weite Strecken ja im Zeichen von Post-Punk, New Romantic und Wavepop. Die Entwicklung elektronischer Klangerzeuger schritt mächtig voran, Keyboards und Sequencer wurden immer schlauer und billiger – und erschwinglich auch Vertreter der monetär eher klammen Independentszene.
Zu den ersten Gruppen, die ihren Sound konsequent unter Strom zu setzen begann, gehörte der britische Vierer New Order. Hervorgegangen aus der Postpunk-Institution Joy Division (deren kurze Geschichte 1980 mit dem Selbstmord von Sänger Ian Curtis endete), entwickelte sich die Manchester-Band zu einem der besten und innovativsten Acts der 80er und 90er Jahre (und ist es noch).
Den untypischsten und paradoxerweise größten Hit ihrer Karriere landeten New Order 1983 mit „Blue Monday“ – entstanden aus ersten Spielereien mit einem neu erstandenen Rhythmuscomputer. Eine der spannendsten Versionen dieses oft gecoverten Kultsongs stammt von der norwegisch-englischen, in Schweden lebenden Sängerin Katharina Nuttall: Für ihre Fassung von „Blue Monday“ (zu finden auf dem 2009 mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Album „Cherry Flavour Substitute“; siehe auch AUDIO 12/2008) nahm die Indie-Lady aus dem Hohen Norden die Elektronik vom Netz und setzte stattdessen auf Akustikgitarre und traurig schnurrende Cello-Banjo-Klänge.
So verwandelt sich diese Hymne an der Schnittstelle zwischen Wavepop und House Music in eine beklemmende, kammermusikalische Songwriter-Perle, die in ein intimes Klangbild voll fein dosierter Raumtiefe eingebettet wurde.
(Frances Records; aus dem Album „Cherry Flavour Substitute”, Frances CD03 / Cargo)
Die meisten konkurrierenden Aufnahmen dieses Werks klingen heller, stellen mehr „Drive“ aus und die brillanten Akkorde des Cembalos ins Zentrum. Provokativ formuliert: Alles „zirpt“. Bei Richard Kapp hingegen „pocht“ Bach – sanft, ohne Hektik. Die kleinen dynamischen Phrasen sind das Erlebnis. An schwachen HiFi-Kombinationen klingt alles eindimensional, an wirklich schnellen Ketten nimmt der Puls, das Betonen der „Eins“ im Taktgefüge hingegen hypnotische Züge an.
(Philharmonia Virtuosi of New York, Richard Kapp; Sony Classical 88697 71978 2)
James Levine, dem Chef der New Yorker MET, wurde in seinen jungen Jahren im „alten Europa“ die Ehre zuteil, in der Salzburger Felsenreitschule Mozarts „Zauberflöte“ zu dirigieren. Diese Aufnahme entstand im Vorfeld – und ist mit Karajans DGG-Version eine der ersten Digitalaufnahmen des Werks überhaupt. Während die Tontechniker der anderen Plattenfirmen mit einer eher „aseptischen“ Digitalästhetik kämpfen, herrscht hier fast analoger Softklang mit langem Nachhall.
(Wiener Philharmoniker, James Levine; Sony Classical 88697 71264 2)
Wolfgang Amadeus Mozart: Adagio für Violine und Orchester KV 261
Der Mann an der Geige dirigiert selbst: Pinchas Zukerman gehört eher zu den stillen Stars seiner Zunft – seinem guten Freund Itzhak Perlman hat er stets den Vortritt in Sachen Popularität überlassen. Obwohl er es nicht musste: Zukerman ist der ideale Mozart-Interpret – sein Vibrato „singt“, ohne falsche Süßlichkeit. Die kurze Kadenz ist audiophil spannend: An guten Wiedergabeketten erkennt man jedes Detail zwischen Fingersatz und Bogenstrich.
(Saint Paul Chamber Orchestra; Pinchas Zukerman, Violine; Sony Classical 88697 71291 2)
Das Wort vom „Altmeister“ trifft auf den verstorbenen Dirigenten Günter Wand zu wie auf keinen anderen – und führt doch in die Irre. „Altmeister“ dirigieren würdevoll und schwer. Von wegen: Wand gibt hier ein Tempo vor, das so mancher sportive Jungdirigent nicht wagt. Dass ihm zudem noch die perfekte Durchhörbarkeit gelingt, macht den kompletten Zyklus aller Symphonien mit dem NDR-Orchester zu einer Kultbox. Deshalb: Alles oder nichts – die komplette Box gehört ins CD-Regal. Für aufmerksame Hörer: Die Bassgruppe phrasiert auf Weltniveau, geschlossen wie ein einzelner Solist.
(NDR Sinfonieorchester, Günter Wand, Sony Classical 88697 71144 2)
Schumann ist schwer. Wenn Dirigent und Tontechniker das Gleiche meinen. Beispiel: James Levine liebt hier das romantisierende Klangbild, warm, die Holzbläser als zentrale Harmoniebasis. Die Bässe dazu präsent, aber nicht abgegrenzt ortbar. Würden jetzt noch die Tontechniker ein weites Cinemascope-Klangbild anlegen – dann versänke die Interpretation im Diffusen. Tun die RCA-Profis eben nicht: Alles wirkt in Mikrofonaufstellung wie Mastering sehr zurückgenommen und elegant, als wäre es eine Kunstkopfaufnahme.
(Philadelphia Orchestra, James Levine; aus der CD „The 4 Symphonies“; Sony Classical 88697 77136 2)
Eine in mehrfachem Sinne klassische Kombination: Der Übergitarrist spielt spanische Hochkultur. In den 80er Jahren hat John Williams fast im Wochenrhythmus eine CD auf den Markt gebracht. Was natürlich übertrieben ist – es waren offiziell „nur“ 37 Alben. Die Zielgruppe konnte sich nicht satthören an dieser technischen Perfektion. Hier eine Miniatur, fast eine Meditation und gerade in den leisen Tönen enorm schwierig – auch für viele Lautsprecher, die als Zeichen der Überforderung bei kleineren Pegeln dann den Impuls der angerissenen Saite vernachlässigen.
(John Williams, Gitarre; aus der CD „Spanish Guitar Music“; Sony Classical 88697 72078 2)
Edouard Lalo: Konzert für Cello und Orchester – Intermezzo
Als Yo-Yo Ma kürzlich nach jahrelanger Abwesenheit wieder ein Konzert mit den Berliner Philharmonikern gab, war die Philharmonie in wenigen Stunden ausverkauft. Zum Schluss: stehende Ovationen für einen Weltbürger – der nun nach dem Tod des großen Rostropovich mit dem Titel des berühmtesten lebenden Cellisten leben muss. Sein Ton ist immer emotional – man achte einmal darauf, wie klug, wie unterschiedlich Ma in dieser Aufnahme das Vibrato einsetzt. In den langsamen Momenten möchte er sich fast mit höchstem Druck auf dem Bogen aus der Boxenebene hinein ins Wohnzimmer schwingen.
(Pittsburgh Symphony Orchestra, Lorin Maazel; Yo-Yo Ma, Cello, aus der CD „Cello Concertos / Rococo Variations“, Sony Classical 88697 71433 2)
Den Eintritt in die „Halle des Bergkönigs“ kennen alle. Aber das ist nur eine Seite von Edvard Grieg in seiner Vertonung von Ibsens „Peer Gynt“, dessen große Liebe und Erlöserin hier laut Drama versonnen und allein singt. Eine schwierige Partie: Die Sopranistin darf nicht forcieren, muss immer mädchenhaft im Timbre bleiben. Barbara Hendricks gelingt das vorbildlich. Esa-Pekka Salonen hat mittlerweile alle Toporchester der Welt dirigiert – diese Aufnahme hat seinen Ruhm mitbegründet. Einer der großen Klangmagier seiner Generation – in diesem Jahr rufen ihn die Wiener Philharmoniker zu den Salzburger Festspielen.
(Oslo Philharmonic Orchestra, Esa-Pekka Salonen; Barbara Hendricks, Sopran; Sony Classical 88697 72099 2)
Kennt jeder, spielt jeder – der CD-Katalog quillt über von Vaterländischem. Ein Orchester, ein Dirigent müssen folglich wirklich etwas zu sagen haben, soll die Aufnahme der „Moldau“ herausragen. Wolfgang Sawallisch hat das Format: Er ist ein herausragender Handwerker, der sich nicht in wattige Klangwolken flüchten muss – in denen so viele konkurrierende Einspielungen hinwegschwimmen. Jeder Einsatz auf den Punkt und mit Energie – eine Stringenz, die vom ersten Pizzicato an auf das Finale zustrebt. Show- und fettfrei auch die Arbeit der Tontechnik.
(Orchestre de la Suisse Romande, Wolfgang Sawallisch; Sony Classical 88697 77145 2)
Sozusagen ein direkter Abkömmling dieser neuen, revolutionären Technologie war das 1989er-Modell 105/3, der erste Lautsprecher der Reference-Serie mit Uni-Q. Der Vierwege-Lautsprecher beherbergte sechs Treiber und war mit dem besten KEF-Zutaten ausgestattet. 1988 war auch das Jahr, in dem KEF zusammen mit Bang & Olufsen und der Technischen Universität von Dänemark für das Eureka-Projekt kooperierte – unter anderem, um den Einfluss des Hörraums auf die Wiedergabe von Lautsprechern zu untersuchen.
KEF zählte stets zu den Pionieren der Akustikforschung – das „Eureka“-Projekt etwa untersuchte 1988 den Einfluss des Hörraumes auf die Tonwiedergabe.
Es wurden akustische Grundlagenforschungen betrieben und psychoakustische Feldversuche fortgeführt, die KEF bereits früher in Angriff genommen hatte. In dieser Zeit bereicherte Dr. Richard Small als Forschungschef die Arbeiten mit seinen bahnbrechenden technischen Erkenntnissen über Lautsprechergestaltung.
Nicht ohne Grund also heimste KEF für seinen Forscher- und Tatendrang in den 80er Jahren alleine für die Reference 104/2 gleich drei Preise ein: den für das „Product Of The Year“, den „Audio Engineering“-Award“ (HiFi Grand Prix) sowie den Titel „Loudspeaker of the Year (verliehen von der Federation Of British Audio, FBA). Doch letztendlich ging und geht es bei all den intelligenten Ingenieursleistungen nur um eines: um Wohlklang für die Sinne.
Firmengründer Raymond Cooke lebte dieses Prinzip während seiner jahrzehntelange Arbeit für KEF wie nur wenige andere Persönlichkeiten der Branche und formulierte einst fast schon poetisch: „Von allen Kunstformen ist die Musik die am schwersten definierbare und die ausdruckstärkste, die am schwersten zu greifende und die unmittelbarste, die vergänglichste und die unvergänglichste. Transformiert in einen Tanz der Elektronen um einen Draht, lebt ihre Seele weiter. Wenn die Musik wieder ihrem gewünschten Zweck zugeführt wird, zur Unterhaltung Ihrer Ohren und Ihres Geistes, möchte KEF dies auf dem natürlichsten Weg tun, ohne Drama, ohne Übertreibung, ohne Tricks.“