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AUDIO


Christine Tantschinez

16. Dezember 2008
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Rückkehr

Interview: Police - die Rückkehr der Schamanen

Nach der erfolgreichen Welttournee kommen The Police mit „Certifiable" ins Wohnzimmer – auch auf Blu-ray-Scheibe. AUDIO traf Drummer Stewart Copeland zum Gespräch über die Live-Disc, erfolgreiche Therapien und Nasenbohrer.

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Wer hatte die Idee zur Reunion-Tour?

Sting.

Und Sie sagten sofort zu? Nach 20 Jahren Pause?

Ernsthafte Frage? Klar! Nach 20 Jahren sind alle Gründe, warum man das irgendwann nicht mehr machen wollte, einfach verblasst. Wenn du einen Anruf bekommst, „Hey, lass uns überall auf der Welt in den großen Stadien spielen, wo alle Leute die Band lieben“, und es ist sogar noch deine eigene Band, na klar!

Wie waren die ersten Proben? 

Höllisch. Erstaunlich schwierig. Rückblickend musste es genau so sein. Alles lief, wie es laufen musste. Die Streitigkeiten bauen das auf, was „The Police" ausmacht – Spannung. Wir sind Gegensätze und für Police brauchen wir diese Polarität. Aber damals war ich jeden Tag aufs Neue überrascht.

Für mich waren die endlosen Diskussionen ein Problem. Wir probten und diskutierten plötzlich wieder. Ich dachte mir immer, erzähl‘ mir nichts, sondern spiel‘ deinen Bass und ich folge dir. Und Sting dachte, er könne genau so weitermachen wie die letzten 20 Jahre. Mozart musste ja auch nicht mit seinen Cellisten verhandeln. Oder mit dem Drummer. Sting hat die letzten 20 Jahre so großartige Stücke geschrieben und tolle Musik gemacht. Er war gewohnt, dem Gitarristen und dem Drummer zu sagen, was sie zu tun haben. Aber es ist etwas anderes, wenn man Mitglied einer Band ist und der Drummer eine eigene Meinung haben könnte. Und tatsächlich, dieser Drummer hat eine...

Wie war es, wieder die alten Songs zu spielen?

Großartig. Diese Lieder haben das Leben so vieler Menschen beeinflusst. Jeder Musiker geht auf die Bühne wie ein Schamane und will seine Zeremonie abhalten. Und mit unseren Songs hatten wir eine so ungeheure Zauberkraft, es war unbeschreiblich. Wenn nur diese beiden anderen nicht wären...(lacht)

Sie waren also ziemlich begeistert davon, wieder mit Police unterwegs zu sein. War das wirklich die letzte Tour?

Ja. Die Chancen stehen wirklich schlecht. Und ein neues Album, dafür liegt die Wahrscheinlichkeit bei Null. Wenn ich Sting wäre, würde ich keine Songs mehr schreiben. Er hat soviele großartige Platten gemacht, sein Werk ist vollendet. Aber selbst wenn er an neuer Musik arbeiten würde, würde ich ihm raten, fast alle Instrumente selbst zu spielen. Er spielt nicht nur Bass, er kann auch Gitarre spielen und Klavier und natürlich die Laute. Und er spielt ziemlich gut Saxofon – die ganzen Brass-Arrangements auf „Ghost In The Machine" spielte Sting selbst ein. Er ist ohnehin sehr von seinem Laute-Projekt fasziniert. Aber ich würde ihn auch nie fragen, ob er an neuen Songs arbeitet.

Das ist die erste Blu-ray Disc von Universal Music, und auch Ihre erste. Was halten Sie davon?

Ich war erstaunt, als ich die hochauflösenden Bilder sah und dachte: „Oh Gott, was mache ich da im Hintergrund? Sieht man wirklich, dass ich in der Nase bohre?" Und die Kombination von hochauflösendem Bild und hochauflösendem Sound... Endlich muss man die Musik nicht mehr verlustbehaftet komprimieren wie noch auf der DVD, um all die Daten drauf zu kriegen. Bei der Blu-ray spielt nicht nur die höhere Bildauflösung eine Rolle, man sieht einfach mehr. Wo früher auf einer DVD nur schwarz war, kann man jetzt viel mehr erkennen. Für eine Oper ist das vielleicht nicht so gut. Das ganze Bühnenbild ist so ausgeleuchtet, dass alle Augen auf die Diva gerichtet sind. Auf der Blu-ray erkennt man womöglich aber im Hintergrund, klar wie die Sopranistin selbst, dass einer aus dem Chor in der Nase bohrt.

Hat die Blu-ray Disc Erfolg oder wird sie wie die SACD enden?

Ich glaube, sie wird erfolgreich sein, weil sie rückwärtskompatibel ist. Man kann seine CD- und DVD-Kollektion behalten.

Warum wurde für die Blu-ray das Konzert in Buenos Aires ausgesucht?

Wieso fragt das jeder? Weil es Südamerikaner sind, die sind verrückt, die gehen ab, die singen und tanzen. Das kommt zu uns zurück, dann spielen wir auch besser. Nicht, dass die Deutschen nicht auch verrückt wären, versteh‘ mich nicht falsch...(grinst)

Der Titel der Dokumentation heißt „Better Than Therapy“.  Warum?

Weil wir eine Art Therapie hatten. Auf Tour. Das Publikum war unsere Therapie. Nachdem wir uns durch die Proben gekämpft hatten, nachdem wir uns gegenseitig in den Wahnsinn getrieben haben und klägliche Angst hatten zu scheitern, gingen wir auf die Bühne, und alles war wieder gut. Das Publikum bestätigte uns und das, was wir tun. Welche Konflikte wir auch immer untereinander hatten, sie drehten sich immer um die Musik. Wir lebten ja auch 20 Jahre lang wie alle anderen mit der Geschichte, The Police hätten sich aufgrund von Ego-Streitigkeiten getrennt. Und irgendwann glaubt man es fast selbst.

Aber tatsächlich haben wir jetzt herausgefunden, dass es eigentlich um die Musik ging. Für mich sind die wesentlichen Elemente von The Police Kraft, Spontanität und Spannung. Sting hat eine ganz andere Vorstellung davon, was wichtig ist für unsere Musik. So gibt es jeden Tag diese Konflikte, aber wenn wir dann vor unser Publikum treten, ist alles, wie es sein soll.

Ihr Sohn Jordan Copeland führte die Regie bei der Dokumentation.

Ja, er brachte uns zum Reden. Besonders Andy ist schwer zu knacken. Er ist ein Gitarrist, Herrgott, ein wandelnder Vulkan. Und Sting ist unmöglich. Aber beide kennen Jordan seit seiner Geburt, und er ist clever. Er brachte es fertig, mit beiden eine Beziehung aufzubauen und sie über Dinge reden zu lassen, die sie mit mir noch nie besprochen haben. Seine Analyse über die Art und Weise, wie die Band funktioniert – als ich den Film gesehen habe, ging mir ein Licht auf. Es ist keine Dokumentation über das wilde Leben auf Tour, es ist eine Analyse, wie unsere Musik funktioniert. Und wie diese drei Dickköpfe tatsächlich zusammenfinden.

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