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7. Oktober 2008
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Musik

Interview: Metallica

Keine Band war, selbst in Krisen, so erfolgreich wie Metallica. Keine erlebte eine solche Durststrecke. An deren Ende steht der Sound vom Anfang. Warum, erklärt Sänger James Hetfield.

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AUDIO: Ihr neues Album „Death Magnetic" gleicht einer Rückbesinnung auf die 80er. Wie kommt’s?

James Hetfield: Das Ganze hat was von „Master Of Puppets“, zumindest in puncto Vielfalt. Die Stücke sind extrem lang, und es gibt mehrere Instrumental-Nummern und Balladen, ebenso wie kurze, schnelle, harte Songs, die richtig knallen. Wir haben aber nicht versucht, „Master Of Puppets 2" zu schreiben, auch wenn viele Fans das gerne hätten. Ich verstehe, dass ihnen die Alben von damals gefallen, weil die sie an was auch immer erinnern. Sie verkörpern eine Art Stabilität, an der sie sich festklammern. Denn sie haben eine Riesenangst vor Veränderungen, während wir uns immer weiterentwickeln. Die Vision, die Rick Rubin hatte, war eben: „Wovon wart ihr damals beeinflusst? Was habt ihr gehört? Welchen Vibe hattet ihr Typen?" Ganz einfach: Wir haben alle zusammen im selben Haus gewohnt. Ein fürchterlicher Saustall – aber ein geiler Saustall. Da mussten wir durch, um hierhin zu gelangen. Wir fragten: Was war’s, das uns diese Art Musik spielen ließ? Hoffentlich reflektiert das Album diese Phase unserer Karriere, wenn auch mit modernem Sound.

AUDIO: Der Schritt war nur mit Starproduzent Rick Rubin möglich, nicht mit Ihrem Vertrauten Bob Rock?

Hetfield: Die Entscheidung, einen Schritt nach vorn zu tun, war klar, ehe wir uns für Rick entschieden. Wir hatten das Gefühl, dass mit der CD „St. Anger" ein großes Reinemachen stattfand. Wir hatten ja einen richtigen Hofstaat um uns herum. Da war’s höchste Zeit, etwas zu verändern und zur Essenz von Metallica zurückzukehren. Wir vier im Studio mit der Ansage: „Kommt, wir schreiben ein paar Stücke." Und Rick rühmt sich ja für seinen wahnsinnig organischen Klang – was immer das heißt. Dafür, dass er seine Künstler wie eine Band klingen lässt, die live im Studio spielt. Wie die Johnny-Cash-Sachen. Wenn du die hörst, denkst du: „Der Typ sitzt genau hinter meinem Lautsprecher. Er muss da irgendwo sein." Eben, weil es so trocken ist und so viel Charakter hat. Genau darum ging es uns.

AUDIO: Metallica auf den Spuren von Johnny Cash?

Hetfield: Ja, Johnnytallica. (lacht) Wir machen das nächste Cash-Album. Und zwar, wie es klingen soll – im Metal-Stil.

AUDIO: Heißt das, die Band hat ihre Krise überwunden?

Hetfield: Ich hoffe sehr! Ich erinnere mich noch an dieses Zitat unseres Therapeuten Phil Towle: „Die Arbeit, die ihr jetzt leistet, ist eigentlich erst fürs nächste Album bestimmt." Das war vor fünf Jahren, und er hatte Recht. Wir stehen wieder ganz allein da. Für die Platte haben wir keinen Therapeuten, keinen Bob Rock und niemand sonst gebraucht, der sicherstellt, dass das Boot auf Kurs bleibt.

AUDIO: Dann empfinden Sie „Some Kind Of Monster“, die radikale Doku von 2004, heute als Tortur?

Hetfield: Ich habe sie nur zweimal gesehen. Genug, um zu erkennen, dass da nicht der agiert, der ich sein will. Ich schätze, jeder in der Band hatte genau die gleichen Gedanken: „Wow, das bin ich? Ich mag es nicht, wie andere Leute mich in diesem Film erleben. Also werde ich mich ändern – oder es zumindest versuchen.“

AUDIO: Wie entstand das Alkohol- und Drogenproblem? Waren Sie so unglücklich mit dem, was sie getan haben?

Hetfield: Ist doch normal … Wir tun das so lange, dass wir in unserem Leben eigentlich nie etwas anderes probiert haben. Wir haben uns diesem Ding namens Metallica verschrieben. Es ist wie ein echtes Monster, es hält uns von unseren Familien, Freunden und einem normalen Leben fern. Das zu erkennen, bedeutet aber auch, da einfach mal auszubrechen. Das habe ich lange Zeit nicht getan – weil ich nicht wusste, wie. Also habe ich meine Unzufriedenheit in mich hineingefressen, nicht die Songs geschrieben, die ich hätte schreiben können, und irgendwann den Faden verloren. Ich habe mich mit Alkohol getröstet, ich hatte unkontrollierte Wutausbrüche und war ein ziemlich unangenehmer Mensch. Bis die anderen meinten: „Geh’ in die Reha oder pack deine Sachen!" Das war zwar krass, aber das Einzige, was mir geholfen hat – der Band natürlich auch. Seitdem haben wir mehr Distanz, unsere Prioritäten neu geordnet und wieder einen Heißhunger auf Metallica entwickelt.

AUDIO: Geht’s nach der Veröffentlichung von „Death Magnetic" gleich auf Tour?

Hetfield: Der Plan ist, Ende Oktober anzufangen. Erst in den Staaten, Anfang 2009 auch in Europa.

AUDIO: Was ist das für ein Gefühl, jeden Abend vor 20000 oder mehr Fans auf der Bühne zu stehen?

Hetfield: Es ist diese wunderbare Droge, nach der wir alle süchtig sind: das Tourleben. Das betreiben wir, seit wir die Highschool verlassen haben – also schon ewig. Sobald unser Intro im Saal läuft, bilden wir einen Kreis, gehen auf unsere Positionen, und da ist sie – diese Masse von Leuten, die dir den Atem raubt. Wirklich überwältigend. Aber du weißt auch, warum du da stehst, dass du kein Gott bist. Deine Mission ist es, so viel Energie aus den Leuten herauszuholen wie möglich. Und ihnen gleichzeitig genauso viel zu geben – das ist eine Art Austausch familiärer Energie.

AUDIO: Was machen Sie mit dem Adrenalin, das sich in zwei Stunden Show anstaut?

Hetfield: Ich genieße es – bis es von allein nachlässt. 

AUDIO: Also werfen Sie heute keine Fernseher mehr aus dem Fenster, um Dampf abzulassen?

Hetfield: Aber nein. Dafür sind Plasma-Bildschirme viel zu teuer.(lacht)

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