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Ratgeber Klang-Tuning HiRes-Wiedergabe am Computer

HiRes-Wiedergabe per Computer verändert die HiFi-Welt nachhaltig. Kreative Hobbyisten können sich freuen: Ihnen eröffnet sich dadurch ein weites Feld für Klang-Tuning.

Audirvana
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© Hersteller/Archiv

Zu seligen Analog-Zeiten wechselten HiFi-Enthusiasten die Bandsorte oder die damals noch vergleichsweise günstigen Tonabnehmer ihres Plattenspielers, um mehr Klang aus ihrer Anlage zu kitzeln. Mit der Einführung der CD sind solche preisgünstigen Tuning- Maßnahmen jedoch weitestgehend weggefallen. Stetiges Klangverbessern – für viele HiFi-Aktive das Salz in der Suppe – erforderte nunmehr meist beträchtliche Investitionen in neues Equipment.

Doch jetzt dürfen Tuner und Tweaker wieder aufatmen: Computer-HiFi hat das Zeug dazu, die Klangtuning-Kultur mit überschaubaren Mitteln erneut zu beleben – mit ungewöhnlich großen Erfolgsaussichten sogar. Das gilt freilich nicht nur für High-Resolution-Wiedergabe, sondern auch für Tonkost im CD-gewohnten 16 Bit/44,1-Kilohertz-Format oder gar für komprimiertes Tonmaterial. Ob es sich dabei um für Musikwiedergabe optimierte Player-Software à la Audirvana oder um zusätzliche Hardware wie beispielsweise externe USB-Stromeinspeisungen handelt – in beiden Fällen gibt es reichlich Potenzial für Klangverbesserungen, während sich der finanzielle Aufwand zumeist in Grenzen hält.

Audirvana
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Audirvana Plus vom französischen Spezialisten Audirvana (für Mac, 59 Euro) ist ein kostengünstiger Player, der jedoch erstaunlich viele und praxisorientierte Konfigurationsmöglichkeiten mitbringt. Zudem fiel seine Benutzeroberfläche sehr übersichtlich aus, sodass auch Einsteiger schnell mit ihm klarkommen. Klanglich ist er den etablierten Mac-Playern zumindest ebenbürtig. Ein echtes Highlight.

So erstaunt es nicht, dass unter Computer-Audiophilen Bemerkungen wie „Hör‘ Dir mal den Player XY mit Betriebssystem Z an!“ oder „Bei mir klingt das USB-Kabel ABC deutlich besser als die Standardstrippe!“ bereits an der Tagesordnung sind. Dazu musste allerdings erst ein Paradigmenwechsel stattfinden, denn lange Zeit galt sogar unter Fachleuten die Regel: „Ist das Signal erst einmal in der digitalen Ebene, so lässt es sich ohne Einfluss auf die Klangqualität nahezu beliebig weiterverarbeiten.“

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Zur mittlerweile unbestrittenen Erkenntnis, dass dem keineswegs so ist, bedurfte es denn auch etlicher Jahre Grundlagenarbeit in Sachen digitaler Audiosignal-Übertragung – die nicht zuletzt von audiophil geprägten, unkonventionell denkenden Köpfen wie beispielsweise Ed Meitner oder Gordon Rankin vorangetrieben wurde.

Software und Betriebssystem

Sicher ist, dass allein bei den Rahmenbedingungen – also unabhängig vom abzuspielenden Datenformat und von den klanglichen Qualitäten der externen Wandler-Elektronik – mehrere „Flaschenhälse“ existieren, die die Wiedergabequalität von Computer-Audio-Systemen beeinflussen können. Softwareseitig ist es zunächst die Qualität des Musik-Players selbst: zum Beispiel seine Performance bei möglichen Samplerate-Konvertierungen oder wie geschickt er von der Musik-Verwaltungs-Software produzierte Klangklippen umschifft.

Wichtig ist natürlich auch die Interaktion des Players mit dem jeweiligen Betriebssystem und den notwendigen (USB-)Treibern. Potenzielle Klangfeinde auf der Hardware-Seite sind dagegen allgegenwärtige digitale Taktungenauigkeiten (Jitter) sowie etwaige, vom Computer selbst oder seinem (Schalt-)-Netzteil verursachte Störprodukte.

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Computer Audio bietet also enorm viele Ansatzpunkte für klangliche „Eingriffe“: Bei einem solch engen Zusammenspiel aller beteiligten Komponenten kann bereits ein meist sogar kostenloses Software- oder Treiber-Update eine deutliche Klangveränderung bewirken. Die Kehrseite der Medaille: In der IT-Welt sind die Dinge ständig im Fluss – vor allem in Sachen Betriebssystem. Updates bei Software oder Treibern dienen daher zunächst einmal zum Funktionserhalt – und führen daher nicht unbedingt zu besserem Klang.

Für Fachzeitschriften wie stereoplay stellt Computer Audio ebenfalls eine Herausforderung dar: So lassen sich exakte Klangaussagen beim Vergleich von Software-Playern streng genommen nur für den jeweiligen Testaufbau machen; wegen der schier unendlichen Konfigurationsmöglichkeiten sind die Ergebnisse nicht hundertprozentig übertragbar.

Tipps und Tricks

Topklang mit Computer Audio ist dennoch kein Hexenwerk – konsequentes Vorgehen schafft hier optimale Voraussetzungen. Am besten fährt freilich, wer seinen Rechner ausschließlich zum Musikhören verwendet und entsprechend konfiguriert. Der wichtigste Schritt dabei ist, sämtliche Hintergrund-Aktivitäten des Computers wie automatische Software-Updates, Backup-Programme, Bildschirmschoner, Energiespar-Routinen oder Virenscanner außer Betrieb zu setzen. Es versteht sich von selbst, dass E-Mailen, Surfen im Internet, besonders aber das Brennen oder gar Rippen von CDs dem guten Klang ebenfalls eher abträglich sind.

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Hingegen schadet es nicht, wenn der Rechner über genügend Arbeitsspeicher von mindestens zwei Gigabyte verfügt: Dann nämlich lässt sich bei vielen Software-Playern die Betriebsart RAM-Play aktivieren, sodass die Musikdateien aus dem Arbeitsspeicher und nicht wie üblich von der Festplatte abgespielt werden: Weniger Plattenzugriffe können besseren Klang zur Folge haben.

PC-Freaks, die sich im BIOS auskennen, sollten dort auch versuchsweise die Option „Spread Spectrum“ deaktivieren – das bewirkt stabilere Taktung, was zu geringerem Jitter führen kann.

Mac oder PC?

Die Frage, ob Mac oder PC, ist eher eine weltanschauliche: Für den Mac sprechen allerdings die größere Auswahl an audiophilen Software-Playern und die von Experten immer wieder gelobte, bessere USB-Grundstruktur. Erwähnenswert ist auch, dass Apple ab MacOS 10.6.4 den USB-Audio-Standard 2.0 unterstützt: Das ermöglicht HiRes-Wiedergabe mit voller Auflösung von 24 Bit/192 Kilohertz ohne zusätzliche Treiber-Installation.

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Weil iTunes auch mit großen Musikbibliotheken gut klarkommt, führt an der Software als reines Musikverwaltungsprogramm kaum ein Weg vorbei. Das stellt auch gar kein Problem dar, denn die meisten audiophil geprägten Software-Player verwenden es ohnehin als Basisprogramm zur Titelauswahl. PC-Fans freunden sich aber sehr wohl auch mit dem Programmpaket Sonata Music Server von Digibit an, mit dem stereoplay sehr gute Erfahrungen sammeln konnte.

Software-Player und USB-Kabel

Besonders im Fokus der Computer-Klang-Tuner stehen derzeit die Software-Player, weil sie bei relativ geringem finanziellen Einsatz hörbare Unterschiede bewirken: Aktuell testet stereoplay mit Audirvana 1.4.1 sowie Pure Music 1.86. Neugierige probieren Audirvana und Pure Music zudem als kostenlose Trial-Versionen unter www.audirvana.com sowie www.channld.com – geradezu ein Muss für jeden Computer-Audiophilen.

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Schließlich sei das Thema USB-Kabel erwähnt: Als Referenz für Hörtests mit externen D/A-Wandlern verwendet stereoplay direkt von der USB Org zertifizierte High-Speed-Standardkabel. Gleichwohl sind hier und da klangliche Steigerungen möglich: So konnten sich in Hörvergleichen speziell das Kabel von Aqvox (ein Meter, ca. 160 Euro) sowie das preiswerte NuForce USB Impulse (1,8 Meter, um 35 Euro) profilieren. Allerdings gilt: Teure, gute USB-Kabel werten zwar auch preisgünstige Wandler auf, doch sollte man den Betrag klanglich gewinnbringender in einen besseren DAC investieren.

 
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