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Ratgeber HDMI-Helferlein

Wenn bei HDMI nicht alles perfekt ist, geraten Bild oder Ton schnell in Not. Viele, oft wenig bekannte Helferlein versprechen fixe Rettung.

Als digitaler Scart-Stecker wird die HDMI-Verbindung gerne bezeichnet. Doch mit ihr erwacht die Hassliebe zum alten Euro-AV-Stecker im digitalen Zeitalter zu neuem Leben, denn es gibt fast die ­gleichen Probleme: wackelige mechanische Verbindung, un­übersichtlich viele Signalarten, Verständigungsprobleme der Geräte untereinander.

Elektrisch handelt es sich bei HDMI um die zum Multimedia-Standard aufgerüstete DVI-Norm, die dazu gedacht ist, Computer und Monitor zu verbinden, also hochauflösendes Bild über kurze Strecken mit rudimentärem Ton zu über­tragen. Für Heimkino-Anwendungen mussten neue Auflösungen, Steuerbefehle und vor allem drastisch verbesserte ­Audio-Fähigkeiten hinzugefügt werden. Zu guter Letzt sollte der Stecker billiger und zwecks Tauglichkeit für Mobilgeräte kleiner werden.

Nun haben wir den Salat – in Form einer mechanisch vereinfachten, aber digital aufgebrezelten Computermonitor-Strippe. Hier liegt die Wurzel von einigen HDMI-Übeln wie der beschränkten Kabellänge, die für DVI kein Problem darstellt – Computer und Monitor stehen immer nahe beieinander.

Neue Komfort-Features

Angenehm sind die Aspekte der Automatisierung bei einigen Funktionen, die HDMI von DVI geerbt hat. Über die EDID ­einigen sich Quelle und Senke auf die möglichen Bild- und Tonformate, ohne dass man in der Regel manuell eingreifen muss.

Dies ist alles sehr nützlich für den Normalnutzer im Normalfall. Lästig wird es aber, wenn man einem alten Display ruckelfreie 24-Hertz-Wiedergabe beibringen möchte, was das Gerät in seinen EDID-Tabellen nicht aufführt, obwohl es diese Frequenz beherrscht – siehe ältere Marantz-Projektoren. Dann muss man mit einem EDID-Emulator beiden Seiten das richtige Signal vorgaukeln, ­damit sie sich verstehen.

Wenn zwei HDMI-Geräte verbunden sind, tauschen sie sich über die Extended Display Identification Data, kurz EDID, aus. Im Grunde besteht diese EDID aus einer langen, detaillierten Liste der Fähigkeiten der verbundenen Geräte. So kommunizieren die Komponenten darüber, welche Auflösungen und Frequenzen sie bei Bild und Ton verarbeiten,  ob 3D vorkommen darf, welche Tonformate und wie viele Kanäle  sie akzeptieren können.  Das Tolle: Man muss sich als Anwender nicht mehr darum kümmern, die Geräte zu konfigurieren. Schließt man einen Blu-ray-­Player an einen TV an, teilt dieser einfach mit, dass er beispielsweise nur Stereo wiedergibt und bloß PCM oder Dolby-Digital versteht. Der Player gibt nun gar keine anderen Signale mehr aus. Läuft dann zum Beispiel eine Blu-ray mit DTS-Ton, dekodiert der Player diesen und gibt ihn fertig als PCM in Stereo aus.
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© Archiv
Wenn zwei HDMI-Geräte verbunden sind, tauschen sie sich über die Extended Display Identification Data, kurz EDID, aus. Im Grunde besteht diese EDID aus einer langen, detaillierten Liste der Fähigkeiten der verbundenen Geräte. So kommunizieren die Komponenten darüber, welche Auflösungen und Frequenzen sie bei Bild und Ton verarbeiten, ob 3D vorkommen darf, welche Tonformate und wie viele Kanäle sie akzeptieren können. Das Tolle: Man muss sich als Anwender nicht mehr darum kümmern, die Geräte zu konfigurieren. Schließt man einen Blu-ray-­Player an einen TV an, teilt dieser einfach mit, dass er beispielsweise nur Stereo wiedergibt und bloß PCM oder Dolby-Digital versteht. Der Player gibt nun gar keine anderen Signale mehr aus. Läuft dann zum Beispiel eine Blu-ray mit DTS-Ton, dekodiert der Player diesen und gibt ihn fertig als PCM in Stereo aus.

Komfortabel sind auch manche Features des Consumer Electronics Control (CEC), mit dessen Befehlen sich beispielsweise Quellenumschaltung und die Basisdienste wie Lautstärke und Laufwerkssteuerung per HDMI fernsteuern lassen, etwa mit der Fernbedienung des TV den Blu-ray-Player.

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Lästig: Alles, was über diese Basis-Funktionen hinausgeht, muss man doch wieder mit dem eigenen Geber erledigen – oder eine Systemfernbedienung programmieren. Manchmal ist es ­einfacher, gleich die alther­gebrachte Lösung zu verwenden. Dann kommen Helferlein gelegen, die – wie die Adapter von AF oder die Umsetzer von Kramer – Infrarot parallel zum HDMI-Signal im gleichen Kabel mit übertragen können.

Lange Kabel – ein Problem

Eine Herausforderung ist die beschränkte Kabellänge. Zwar kann man HDMI-Kabel sogar bis 100 Meter Länge kaufen, diese funktionieren aber nur mit speziellen Treibern und Filtern. Jenseits von 10 Metern wird es bei hohen Auflösungen selbst mit High-End-Kabeln schnell knapp. Dann hilft am sichersten, was fast alle Zubehörfirmen heute anbieten: Übertrager, die das HDMI-Signal einfach auf eine Kabelnorm umsetzen, die für lange Strecken optimiert ist – etwa CAT6.

Pfiffige Hersteller fügen bei Bedarf den langen Strippen noch weitere Informationen hinzu. Kramer etwa versteht es, parallel zu einem vollständigen HDMI-Signal noch eine RS-232-Schnittstelle, Infrarot-Steuerung und sogar Ethernet-LAN in ein einziges CAT6-Kabel zu packen. So lässt sich beispielsweise ein entfernt positionierter neuerer Fernseher mit Bild
und Ton, Infrarot und Internet über nur ein Kabel versorgen, notfalls selbst mit serieller ­Krestron-Steuerung.

Das Verlegen von HDMI-Kabeln ist ebenfalls eine knifflige Angelegenheit. Diese Strippen waren nie für eine manuelle Konfektionierung vorgesehen. Man muss also die passende Länge kaufen und dann eventuell die Strippe mitsamt Steckern durch Kabelkanäle ziehen. Oehlbach und in-akustik bieten mittlerweile auch vor Ort konfektionierbare Kabel und Stecker an.

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Sonst helfen eben wieder Umsetzer auf CAT6, denn diese Kabel sind kleiner, in der Regel biegsamer und vor Ort leicht zu konfektionieren. Ist ein Kabel irgendwo angekommen, gilt es oft, eine Dose mit der entsprechenden Buchse zu installieren. Auch hier bieten die üblichen Verdächtigen unter den Zubehör- und Kabelher­stellern passende Modelle für Wand- und Schrankeinbau an.

Hilfreich sind oft auch scheinbar banale Winkelstecker, die es lange für HDMI nicht gab. Fast alle AV-Verstärker sind tiefer konstruiert als die meisten Racks. Und Flachbildschirme benötigen oft Verbindungen, die auch mechanisch vom geraden Stecker abweichen – oder sehr flache, schlanke Stecker. Winkeladaper in alle Himmelsrichtungen bieten mittlerweile fast alle Kabelhersteller an. Besonders pfiffig: Der „Premium HDMI Winkeladapter 360°“ von in-akustik besitzt ein ­Kardangelenk, mit dem er sich jedem Winkel anpasst.

Oft ist aber auch der Steckersitz besonders wichtig – und der stellt bekanntermaßen einen Schwachpunkt des HDMI-Stöpsels dar. Zum Glück befindet sich über den meisten HDMI-Buchsen eine genormte Be­festigungsschraube. Viele Hersteller bieten entsprechende Stecker oder universelle Halterungen für diese an. Solche Klemmvorrichtungen ermöglichen es dann, das Kabel mitsamt Stecker festzuschrauben.

Manchmal geht es auch nur darum, ein kurzes Stück zu überbrücken – etwa hinter dem an der Wand hängenden Plasma-Bildschirm. Oder es gilt, mit der besonders engen Platzierung einer Komponente in einem Rack oder Schrank zurechtzukommen. Dann kann, wo konventionelle Kabel zu ­unflexibel oder zu dick sind, Oehlbachs Flat Bridge helfen. Eine pfiffige Produktidee.

in-akustik HDMI CAT6 Extender
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in-akustik HDMI CAT6 Extender

Dieser Extender setzt das HDMI-­Signal auf ein für lange Strecken optimiertes CAT6-Kabel um, was eine störungsfreie Übertragung bis zu 50 Meter ermöglicht. Das reicht dann auch, um größere Distanzen zum Fernseher oder Projektor zu ­überbrücken.

Preis: 260 Euro

Zu guter Letzt ein Hinweis auf eine der häufigsten Fallen in der Praxis. Viele AV-Verstärker erlauben tief im Menü die Option, den HDMI-Ton auch an einen angeschlossenen Fernseher weiterzuleiten. Das kann sich fatal auf die Wiedergabe auswirken, denn damit wird für den Player der TV zum EDID-Tonpartner.

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Der meldet zurück: „Ich kann nur Stereo.“ Noch verhängnisvoller ein Projektor: „Ich verarbeite keinen Ton.“ Fortan gibt selbst ein Blu-ray-Player nur noch Stereo oder gar keinen Ton mehr per HDMI aus. Diskreter Surround-Sound oder gar HD-Audio? Fehlanzeige. Erst wenn die HDMI-Ton-Weiterleitung abgeschaltet wird und damit der AV-Verstärker selbst zur Senke für die EDID-Audio­daten mutiert, kommt wieder der volle Surround-Genuss aus den Lautsprechern.

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Nach anfänglichem Schluckauf bei der Zuverlässigkeit und Kopierschutzproblemen hat sich HDMI für die meisten Anwender – wenn auch nicht für alle highendigen, audiophilen Geis­ter – zum Segen entwickelt. Ehemals kompromissbehaftete Lösungen und Unwägbarkeiten lassen sich mit aktuellem Zubehör elegant lösen oder umschiffen. Und neueste Komfort-Features wie Ethernet über HDMI oder der Audio-Return-Channel ARC ersparen  bislang notwendige einzelne Strippen und räumen den Kabelsalat auf. Weiter so, HDMI.

 
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