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Ratgeber: "Endstufen" Bi- und Tri-Amping in der Praxis

So günstige und klanglich hervorragende Endstufen wie die von AMC verführen förmlich zu Bi-Amping oder Tri-Amping-Versuchen. stereoplay hat alle Varianten durchgespielt.
Verstärker-Aufbau für Tri-Amping © Hersteller / Archiv
Bi-Ampingoder und Tri-Amping

Die Vorzüge einer Bi- oder gar Tri-Amping-Ansteuerung liegen auf der Hand: Die Endstufe für Mitten oder Höhen bleibt von den kraftzehrenden Impulsen des Bass-Zweigs gänzlich unberührt – und umgekehrt. Das Resultat ist in der Regel beeindruckend: eine deutlich verbesserte Durchhörbarkeit, mehr Raum und mehr Präzision. Vor allem Linn ist ein vehementer Verfechter dieser Idee und hat mit etlichen Tri-Amping-Konzepten auch bei stereoplay viel Überzeugungsarbeit geleistet. Der einzige Nachteil: Viele Endstufen sind gemeinhin teuer. Doch was, wenn wie im Falle von AMC die Geräte so unverschämt günstig sind?

Die Transistor-Endstufe AMC 2100 ist wie gemacht für Bi-Amping. Sie hat Pegelregler und neben den Eingängen auch noch Ausgänge, von denen das Signal auf weitere Endstufen gespielt werden kann. © Hersteller / Archiv
Die Transistor-Endstufe AMC 2100 ist wie gemacht für Bi-Amping. Sie hat Pegelregler und neben den Eingängen auch noch Ausgänge, von denen das Signal auf weitere Endstufen gespielt werden kann.

Versuchsaufbau mit AMC-Endstufen

Dann schreit es förmlich nach Ausprobieren. Der Versuchsaufbau von stereoplay: Alle drei AMC-Endstufen aus dem Test wurden an die Einzelzweige der B&W Nautilus 802 (Bi-Amping-fähig) sowie der KEF Reference 203/2 (Tri-Amping-fähig) angedockt. Wesentlich für ein homogenes Klangbild ist, dass sie alle den gleichen Verstärkungsfaktor haben. Für den HiFi-Fan zu Hause ist das eine schwer zu klärende Frage, für stereoplay misst das die TESTfactory. Die beiden Röhren CVT 2100 Mk2 und CVT 2030 Mk2 lagen exakt auf dem gleichen Verstärkungsniveau, die Transistor-Endstufe AMC 2100 Mk2 lässt sich dankbarerweise im Pegel regeln. Jedes Modell hatten wir in doppelter Ausführung parat, was im Falle der AMC 2100 besonders viel Sinn machte, da sie sich zur Mono-Endstufe mit dann fast doppelter Leistung brücken lässt.

Wesentlich beim Bi- oder Tri-Amping ist auch die Verkabelung. Neben der klassischen 2,5-mm2-Strippe kamen vor allem das Siltech London, das Straight Wire Octave II und das Wire World Oasis zum Einsatz – jedes der drei passte optimal zu einer Endstufe. © Hersteller / Archiv
Wesentlich beim Bi- oder Tri-Amping ist auch die Verkabelung. Neben der klassischen 2,5-mm2-Strippe kamen vor allem das Siltech London, das Straight Wire Octave II und das Wire World Oasis zum Einsatz – jedes der drei passte optimal zu einer Endstufe.

B&W Nautilus 802: Bi-Amping

Im ersten Durchgang ließen wir an der B&W 802 jede Endstufe an jedem Zweig spielen – jeweils mit einfachem Kupferkabel verbunden. Ergebnis: Die kleine Röhre CVT 2030 ist für den Bass ungeeignet; sie kam zu schnell in die Begrenzung. Doch für den Mittelhochton passte sie wunderbar, weil sie ungeheuer flink und fein agierte. Die größere CVT 2100 überzeugte im Mittelhochton-Zweig mit herrlich schönen Klangfarben und großer dynamischer Souveränität. Dafür wirkte sie im Vergleich zur CVT 2030 etwas langsamer: ein Kann, kein Muss.

Praxis: Raumeinmessung selbst gemacht

Am besten schlug sich am Bass-Zweig der B&W die kleine Transistor-Stufe, die ausreichend Leistung und Kontrolle mitbrachte, aber für den Mittelhochton-Zweig im Vergleich zu den beiden Röhren keine Chance hatte – zu unscharf, zu wenig prägnant wirkte mit ihr das Klangbild. Der Einsatz der größeren CVT 2100 brachte hier aber keinen Fortschritt, weil sie die beiden 18er Bässe nicht gut genug unter Kontrolle bekam. Die Kombination aus CVT 2030 (Mittelhochton) und AMC 2100 (Bass) klang jedenfalls druckvoller, souveräner und aufgeräumter als eine einzelne CVT 2100, die lediglich mit etwas mehr Homogenität punkten konnte. Die Kombination aus CVT 2100 (Mittelhochton) und AMC 2100 (Bass) hatte – siehe Vergleich der Röhren 2030 und 2100 oben – vor allem Dynamik- und Pegelvorteile und spielte etwas wärmer. Noch besser wurde es allerdings, als wir pro Seite eine gebrückte AMC 2100 nahmen; da legte der Bass noch einmal an Spannkraft zu.

Das richtige Kabel entscheidet

Je länger die Tests dauerten, desto deutlicher wurde, dass auch die Kabel eine wichtige Rolle spielen. Dabei war es entscheidender, welches Kabel an welcher Endstufe hing, als welches Kabel zu welchem Zweig führte. So spielte die große CVT 2100 am besten mit dem Siltech London – gleich ob im Bass oder im Hochton. Die kleine CVT 2030 hingegen harmonierte am besten mit dem Straight Wire Octave II, während die Transistor-Endstufe, die letztlich nur im Bass eingesetzt wurde, am besten mit dem Wire World Oasis tönte.

Nur wenige Dreiwege-Lautsprecher sind auch wirklich Tri-Amping-fähig. Die Modelle der KEF-Reference-Linie (im Test verwendeten wir die fantastische 203/2) sind hier eine rühmliche Ausnahme. © Hersteller / Archiv
Nur wenige Dreiwege-Lautsprecher sind auch wirklich Tri-Amping-fähig. Die Modelle der KEF-Reference-Linie (im Test verwendeten wir die fantastische 203/2) sind hier eine rühmliche Ausnahme.

KEF Reference 203/2: Tri-Amping

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An der Tri-Amping-fähigen KEF Reference 203/2 blieben die Kabelvorlieben der drei Endstufen ebenfalls erhalten. Auch hier kam die kleine AMC 2100 nur für den Basszweig infrage – am besten gebrückt. Doch mit der Reference 203/2 klang auch die folgende Kombination sehr reizvoll: CVT 2100 in Bass und Hochton, CVT 2030 in den Mitten. Die 2100er-Röhre in den Mitten brachte zwar ein minimales Plus an Dynamikreserve, doch mit der 2030er klang es einfach etwas frischer, aufgeräumter. Am Ende des Tages ist so etwas aber auch Geschmackssache.

Kaufberatung: Top-Speaker um 2.000 Euro

Gleich in welcher Kombination: Bi- oder Tri-Amping klingt in den meisten Fällen deutlich besser als der Betrieb nur einer Endstufe – und es ist ein herrliches Experimentier- und Spielfeld für den HiFi-Fan, der alles aus seinem Lautsprecher herausholen möchte.

 
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