Bild vergrößern
355
410
http://img1.magnus.de/image-r355x410-C-8259a401-14347109.jpg
Ratgeber
Annie Lennox - Klarer Blick
Mit ihren 52 Jahren bringt Annie Lennox Pop und Politik souverän unter einen Hut.
Typisch Annie Lennox: Die schottische Sängerin hält nicht in einer der großen, coolen Londoner Nobelherbergen Hof, sondern im kleinen – auch sehr angesagten – Gore Hotel unweit vom Hyde Park. Die 52-Jährige trägt ihre hellblond gefärbten Haare beim Interview bleistiftkurz, sieht sehr fit aus – und ist höchst motiviert, über ihre neue CD "Songs Of Mass Destruction" (erschienen bei RCA/Sony BMG) zu reden. AUDIO: Statt mit Ihrem langjährigen Kompagnon Steve Lipson haben Sie diesmal mit Glen Ballard gearbeitet. Warum wollten Sie den Produzenten wechseln? ANNIE LENNOX: Mir hatte Alanis Morissettes Debütalbum so gut gefallen. Dafür war er ja auch verantwortlich gewesen. Mein Eurythmics-Partner Dave Stewart hat ihn mir vorgestellt. Und Glens Ideen gefielen mir. Er sagte: "Annie, deine Stimme ist so prägnant. Wir müssen nur einen Rahmen drum herum bauen." Dieses Bild passte zu meinen Gedanken. Ich wollte keine bombastische Produktion. Ich wollte, dass der Song für sich spricht ?: Liegt es allein daran, dass Ihre Stimme besser klingt als auf dem letzten Album? !: Ich habe das Gefühl, dass ich mehr Klangfarben zur Verfügung habe, mit denen ich spielen kann. Es war, als würde sich eine Tür öffnen. Als ich vor ein paar Jahren mit Sting auf Tournee ging, merkte ich, dass meine Stimme plötzlich nicht mehr müde wurde. Das war früher immer mein großes Problem gewesen. ?: In "Sing" prangern Sie die lasche Aids-Politik in Südafrika an. Sie engagierten 23 der bekanntesten Sängerinnen der Welt für dieses Lied, das Nelson Mandelas Organisation "46664" im Kampf gegen Aids unterstützt: Stars wie Madonna, Bonnie Raitt oder Fergie von den Black Eyed Peas. Hatten Sie keine Berührungsängste? !: Nein. Warum sollte ich? Die Black Eyed Peas haben diesen wunderbaren Song „Where Is The Love" gesungen. Und das ist letzten Endes auch das Grundthema meines Albums. Ich wollte dieses Schulter-an-Schulter-Gefühl mit den wichtigsten Frauen der Popszene. ?: Hat auch jemand abgelehnt? !: Es kamen nur wenige Absagen, durchweg wegen Terminproblemen. Ich habe allen klargemacht, worum es geht. Und alle wollten mich offensichtlich unterstützen. Ich war durch eine Afrikareise auf das Problem gestoßen. ?: Was geschah da? !: Ich nahm vor einigen Jahren an einem Konzert zugunsten von "46664" teil. Das ist übrigens die Nummer, die Nelson Mandela als Häftling im Gefängnis erhielt. Auf dieser Reise wurde mir erstmals so richtig klar, dass in Afrika in den letzten zehn Jahren Millionen von Menschen an Aids gestorben sind.