Ratgeber AirPlay von Apple
© Losevsky Pavel - Shutterstock
Eigentlich war es nur ein Nebensatz mit dem Steve Jobs in seiner Präsentation der neuesten iTunes-Software 2010 die AirPlay-Funktion würdigte. Aber man ahnte damals schon, dass da wieder ein heiße Sache (und Investition) auf die Unterhaltungselektronik zukam.
© AUDIO
Das kann man mit AirPlay nun auch – nur ist der Empfang nicht mehr nur auf Apple-eigene Geräte limitiert. Wer will, die nötigen Lizenzgebühren entrichtet und geeignete Hardware aufweist, kann ebenfalls als „externer Lautsprecher“ erkannt werden. Und wird genauso durchs Netzwerk mit Musik oder Podcasts beliefert. Dieser kleine Schritt vom hauseigenen, proprietären zum lizenzpflichtigen Musik-Streaming-Weg ist vermutlich ein ziemlich großer Schritt hin zu mehr Umsatz. Denn nicht nur iTunes auf Mac oder PC beherrscht das Verteilen der Musikdaten, auch iPhone, iPad und iPod Touch ab den Betriebssystemen iOS 4.2 können mittlerweile über die schnelle 802.11n-Schnittstelle ins Netz an alle geeigneten Empfänger streamen – Musik von der Festplatte, Musik direkt aus Apps oder den Sound zum gerade gesehenen Video.
© Apple
Der sparsame Kleinstrechner von Apple (im Ruhezustand verbraucht er rund 11 Watt – auch nicht mehr als eine potente RipNAS oder ein Windows Home Server) mit iTunes als zentralem Medien-Datenverwalter hatte schon immer seinen Reiz: Er ist leise, sieht hübsch aus und kann mit HDMI und SPDIF-Ausgang nebenbei noch als Multimedia-Maschine dienen. Zusätzlicher Vorteil: Auch rechenintensivere Serverprogramme wie der Squeezebox-Server laufen wie geölt und können weitere Musik-Clienten mit Stoff versorgen.
Gesteuert werden kann der MacMini zudem bequem über Apps vom iPod Touch; Remote-Desktop-Programme wie RDM+ steuern den gesamten Rechner, mit der gratis Apple-„Remote“ hat der Nutzer bequem die iTunes-Mediathek im Griff. Im Unterschied zum normalen Streaming kontrolliert man dabei nicht den Client, der daraufhin eine Anfrage an den Server stellt, sondern schickt in diesem Fall dem als Dienstleister auftretenden iTunes den Befehl, jetzt aber schleunigst jenes Lied oder jene Playlist an den Netzwerk-Empfänger zu senden. iTunes ist im engeren Sinn keine Serversoftware, sondern eine Verwaltungs-Instanz.
© AUDIO
Pro und Contra
Was nicht nur Apple-Fans an iTunes zu schätzen wissen, ist natürlich die ungeheuer komfortable Bedienung. Das Rundum-Sorglos-Programm rippt CDs, konvertiert, sucht nach den passenden Covern, sortiert die Musik nach beliebig vielen Kriterien (Liebling der Redaktion ist natürlich die Kategorie „neu hinzugefügt“) und liefert die wohl perfekteste Gapless-Wiedergabe, die man sich nur wünschen kann. Die AirPlay-Funktion klappt einwandfrei, findet sicher und schnell die angeschlossenen Empfänger und überträgt sauber und störungsfrei.
Die Nachteile dieser Art des Musik-Streamings liegen aber auf der Hand: PC oder Mac als Server müssen stets laufen, oder aber man muss die Hard- und Software vor jedem Einsatz erstmal mühselig in Gang bringen. iTunes ist kein vollwertiger Server und reagiert nicht auf Wünsche des Clients; Video-Streaming oder dergleichen ist nach wie vor nicht möglich, und Formate wie Flac oder Samplingraten und Wortbreiten über 44,1 kHz und 16 Bit werden nicht unterstützt beziehungsweise vor dem Verschicken heruntergerechnet. Zwar kann iTunes an mehrere externe Empfänger gleichzeitig Daten versenden, aber nicht unabhängig voneinander: Entweder hören alle im Netzwerk dasselbe oder gar nichts.
© AUDIO
Zwar lagen für den Vergleich „nur“ MP3-Daten mit 320 Kilobit/s Bitrate vor, das Ergebnis war aber dennoch überraschend eindeutig. AirPlay gewann mit einer differenzierteren, strukturierteren und stabileren Darbietung gegenüber der Verbindung per USB-Datenkabel. Vermutlich siegte hier die redundant gesicherte IP-Übertragung mittels Datenpaketen über die jitteranfälligere SPDIF-ähnliche USB-Verbindung. Und selbst, wenn die AirPlay-Verbindung vom iPod zum Receiver nicht besser klingen würde: Sie macht einfach mehr Spaß. Der Akku des Players macht zwar schneller schlapp und wird nebenbei auch nicht aufgeladen. Aber einfach so nebenbei aus dem App oder der Musikbibliothek ein Stück anspielen, ohne umständliche Verkabelung, das ist tatsächlich äußerst komfortabel.