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50 Jahre Beatles Zu Besuch in den Abbey Road Studios

Zum 50. Geburtstag der Beatles erscheint ihr gesamter Katalog auf Vinyl. Remastered wurden die Songs in den berühmten Abbey Road Studios. AUDIO war in London und sammelte überwältigende Eindrücke.
ABBEY ROAD STUDIOS © Archiv, A. Mitropoulos

Es ist immer wieder spannend und informativ zu erfahren, wie jemand zum Hobby HiFi gekommen ist. Besonders schön sind die vielen Stories, die sich im AUDIO-Forum tummeln – in dem Thread „Wie fing alles an ...” .

Mein Werdegang wurde vor allem von einer Band geprägt: den Beatles. Wegen ihnen bastelte ich mir aus uralten Dual-Lautsprechern und einem Technics-Verstärker meine erste Stereo-Anlage. Monatelang hörte ich damit den Fab Four zu – zunächst im Radio (natürlich nahm ich sie von dort auch auf Cassette auf) und später auf meiner ersten selbst gekauften CD „Number One“. Auch lernte ich wegen der vier Pilzköpfe selber Musik zu machen – was mich irgendwann zum Tontechniker-Studium brachte. In dieser Zeit gesellten sich George Martin und Geoff Emmerick zu meinen Vorbildern. Diese zwei Tonmeister waren für so ziemlich alle Recordings verantwortlich, welche die Beatles in den Londoner Abbey Road Studios aufnahmen. Jene Location war für mich schon immer so etwas wie ein Musik-Heiligtum.

Zum 50. Geburtstag der Beatles erscheint eine Sammlerbox mit allen Alben auf Vinyl. © Archiv, A. Mitropoulos
Zum 50. Geburtstag der Beatles erscheint eine Sammlerbox mit allen Alben auf Vinyl.

Magical Mystery Tour

„Aus dem Häuschen sein“ beschreibt daher nicht einmal annähernd das Gefühl, als ich plötzlich in eben jenem Musik-Mekka stand. Dafür war ich auch gerne bereit, um drei Uhr morgens aufzustehen, nach London zu fliegen, dort ein völliges Verkehrschaos vorzufinden und am selben Abend wieder die Heimreise anzutreten. Doch spätestens, als ich die ersten Schritte auf den berühmten Zebrastreifen setzte (was nicht ganz ungefährlich war, da die Abbey Road heute eine stark befahrene Hauptstraße ist), waren sämtliche Strapazen vergessen. Die vielen Graffitis auf den Mauern um das Studio-Areal boten nur einen kleinen Vorgeschmack auf die surreale Situation, in der Studio-Kantine zu sitzen und neben allem, was in der Recording-Szene Rang und Namen hat, einen Tee zu schlürfen. Marvelous!

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Beim Anblick der vielen Vintage-Geräte, die in jeder freien Ecke standen, fiel mir die Kinnlade schließlich völlig auf den Boden. Dutzende Bandmaschinen von Studer und ein traumhaftes 64-Kanal-Pult von EMI warteten in den Fluren sehnsüchtigst darauf, zum Einsatz zu kommen. Getoppt wurde dieses Bild nur noch von einem unscheinbaren, verkratzten Klavier, das tatsächlich genau jenes Instrument war, auf dem John und Paul vor 50 Jahren etliche Klassiker einspielten. Doch wie kam es zu diesem Event, das für mich einen Traum wahr werden ließ?

ABBEY ROAD STUDIOS

Wissbegierig waren die geladenen Besucher. Dank seiner fundierten Kenntnisse konnte Tonmeister Sean Magee alle Fragen beantworten.

Birthday

Vor Kurzem feierten die Beatles ihr 50-jähriges Jubiläum, gemessen an der Veröffentlichung ihrer ersten Single „Please, Please Me“ 1962. Aus diesem Anlass erschien nun eine Sammler-Box mit sämtlichen zwölf Original-Alben der Kult-Band – und zwar auf feinstem Vinyl. Das Paket beinhaltet obendrein das nur in den USA veröffentlichte „Magical Mystery Tour” sowie die 1988 erschienene „Past Masters”-Sammlung. Insgesamt also 14 Werke als dicke 180g-Bretter. Bei dieser Box handelt es sich übrigens um die Stereo-Versionen – eine Mono-Ausgabe soll im Laufe des Jahres 2013 folgen (wie es schon 2009 bei den CD-Remasters geschah).

Komplettiert wird die edle Edition durch ein wunderschönes Buch, das nicht nur Hintergrund-Informationen zu den Beatles und ihrer Karriere liefert, sondern auch bisher unveröffentlichte Fotos zeigt. Weltweit ist das Paket auf 50.000 Exemplare limitiert.

Eight days a week

Diese Vinyl-Version basiert nun auf den sensationellen Remasters für die CD-Collection. Das Mastering des gesamten Beatles-Katalogs mit über 500 Minuten Material war ein Mammut-Vorhaben, das man nicht mal eben an einem Wochenende erledigen konnte. Damals hatte sich ein Dream Team von sechs Toningenieuren (Simon Gibson, Paul Hicks, Sean Magee, Guy Massey, Sam Okell und Steve Rooke) in den Abbey Road Studios versammelt. Die Männer arbeiteten über vier Jahre lang eng zusammen.

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Der erste Schritt war, eine Bandmaschine zu suchen, die sich am besten für die Wiedergabe der alten Viertel-Zoll-Bänder eignete, die EMI glücklicherweise noch im Archiv hatte. Zwei Wochen lang untersuchte man etliche Geräte und verglich sie auf ihre Klanggüte. Die Wahl fiel schließlich auf eine Studer A80 aus den 70ern, da sie die besten Resultate lieferte. Nach der Digitalisierung (bei der das Band von „Please, Please Me” zerriss, da der Klebstoff an den Schnittstellen ausgetrocknet war) ging die Arbeit schließlich am Computer weiter. Das Ziel: klanglich so nah wie möglich am Original zu bleiben und lediglich Artefakte zu entfernen, die damals von Geräten entstanden. Etwaige „Trademark- Sounds“ – die also fester Bestandteil der Performance waren (wie etwa Ringos quietschendes Bassdrum-Pedal auf den frühen Aufnahmen) – erhielt man bewusst. Nach der Säuberung der Songs optimierten die Mastering-Experten den Frequenzgang, was bestimmte Klang-Details zum Vorschein brachte, die vorher eher im Hintergrund untergingen. Paul McCartneys Höfner-Bassgitarre klang beispielsweise noch nie so natürlich und fett.

Die Bearbeitung der digitalen Kopien hört für die Vinyl-Produktion genau hier auf. Denn in der Vorbereitung der CD-Version (nicht bei der Mono-Variante) wurden die Aufnahmen um 3 dB lauter gemacht, was eine minimale Dynamikbegrenzung bei einigen Beatles-Liedern erforderte.

Unvergesslich war der Besuch in den Abbey Road Studios: AUDIO-Redakteur Alexandros Mitropoulos (l.) mit Sean Magee. © Archiv, A. Mitropoulos
Unvergesslich war der Besuch in den Abbey Road Studios: AUDIO-Redakteur Alexandros Mitropoulos (l.) mit Sean Magee.

Getting Better

Die Vorarbeit für die Vinyl-Ausgabe fiel nicht weniger üppig aus, da man natürlich auch hier die bestmöglichen Resultate erzielen wollte. Der Mann der Stunde war Mastering-Experte Sean Magee. Der sympathische Tonmeister entschärfte als erstes bestimmte Frequenzen, die auf dem Vinyl für Probleme gesorgt hätten – etwa die gefürchteten S-Laute. Dabei favorisierte er das „Trial and Error“-Prinzip: Nach der Bearbeitung übertrug er jeden Song auf einen Vinyl-Rohling, um zu hören, wie es letztendlich auf dem Medium klingen würde. Als Arbeitsmittel standen ihm die feinsten Geräte zur Verfügung: ein seltenes EMI-Pult vom Typ TGI 2410, ein Mastering-Equalizer MEA-2 von Prism Sound und der Über-EQ: ein Weiss EQ1-MK2. Zwei B&W 800er dienten im kleinen Mastering-Raum (in dem übrigens schon in den 60ern die Masterbänder entstanden) für den guten Ton – angetrieben von Classé-Verstärkern und einem Benchmark DAC 1.

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Nach der Bearbeitung des kompletten Song-Katalogs hieß es, die Master-Scheiben herzustellen, aus denen später die Vinyl-Kopien gepresst werden sollten. Für diesen wichtigen Job war eine alte, aber perfekt arbeitende Neumann WMS 80 zuständig, bestückt mit einem SX47-Schneidekopf. Bevor diese überhaupt loslegen konnte, stand noch eine andere zentrale Entscheidung an: Sean Magee musste herausfinden, welches Schneideverfahren das optimale Ergebnis liefern würde, und fertigte dafür zwei Versionen von „A Hard Day’s Night“ an: einmal auf einer DMM-Scheibe („Direct Metal Master”-Rohlinge bestehen komplett aus Kupfer), ein zweites Mal auf einem lackierten Alu-Rohling (die klassischere Art). Magee wählte die lackierte Variante, da sie wärmer und etwas fetter tönte.

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Last not least musste geklärt werden, welche Presswerke für die Herstellung geeignet waren. Ja, „Werke“ im Plural, weil eines den amerikanischen, ein anderes den europäischen Markt bedienen sollte. Nicht weniger als 30 Muster nahmen Magee und seine Crew unter die Klanglupe – und zwar jeweils von der aktuellen Stereoversion wie auch von der zuvor erwähnten, später erscheinenden Mono-Ausführung. Da verwundert es kaum, dass der gute Mann daheim keine Beatles mehr hört. Für mich steht jedenfalls fest: So gut haben John, Paul, George und Ringo noch nie geklungen!

 
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