Menü

Akustik-Jazz Joshua Redman - James Farm

Joshua Redman James Farm © Nonesuch (Warner); CD

Auf „James Farm“ ist so ziemlich alles versammelt, was der Jazz hervorgebracht hat. So würzt Salsa-Energie à la „Oye Como Va“ den Mittelteil des Titels „Star Crossed“, während am Anfang und am Ende eher ein Hauch von Motown-Soul mitschwingt. Andernorts ahnt man, dass der Saxofonist Joshua Redman und seine Gefährten die Platten von Weather Report und Return To Forever, die Minimal-Musiker, die polyrhythmischen Virtuosen der M-Base und die schwelgerischen Souljazzer, die poppig-rauen Beats von E.S.T. und Bad Plus sowie eine Reihe von Rockballaden gehört und wohl auch in verschiedenen Bands gespielt haben. Jetzt aber fließt alles zusammen und ergänzt sich prächtig zu einem derart homogenen Konzept, dass die Herkunft der vielen Elemente im dichten Klangstrom überhaupt nicht mehr auffällt. Mal werden Instrumente so übersteuert aufgenommen, wie es in den 60er-Jahren üblich war, mal lupenrein klar – und dies alles wohlkalkuliert. Weich und sanft schweben die Töne in „Unraved“, und mit Anklängen an Kurt Weills Balladen schwingen sie in „If By Air“ aus Redmans Tenorsaxofon, bevor Matt Penman ihn mit einem pulsierend aktuellen Kontrabasssolo ablöst. Diese zwei Cracks sowie der Pianist Aaron Parks und der Schlagzeuger Eric Harland verfügen über einen immensen Erfahrungsschatz, der ihnen eine vorbildlos intensive Stilmixtur ermöglicht. Wohl aber verweisen Intensität und Geschlossenheit auf drei epochale Jazz-Bands: das Miles Davis Quintet der 60er-Jahre sowie die Blue-Note-Aufnahmen, die Miles‘ Bandmitglieder Wayne Shorter und Herbie Hancock in der gleichen Periode unter eigenem Namen einspielten. „James Farm“ hat nicht nur ein Wohnzimmer mit bekannten Möbeln. Sie hat auch wunderbare Weiden und Wiesen.

 
x