CD des Monats: Lisette Spinnler
Siawaloma
So durchdacht, so vollendet diese Musik spontan auch scheinen mag: Sie ist eigentlich nur eine Station auf dem kreativen Pilgerpfad, der die junge Schweizerin Lisette Spinnler ihrem Klangideal immer näher bringt. Eine solche nach allen Seiten offene Reise kann natürlich nicht an den Grenzen des Jazz Halt machen. Und so kreist die Sängerin auch mal auf kuscheligen Sound-Wolken ums Zauberfolk-Reich der irischen New-Age-Elfe Enya, aber ohne je der Kitsch-Versuchung zu erliegen („Kothbiro“).
Völlig frei von Sentimentalität ist auch Lisettes Eintauchen in die blau schimmernde Welt des Mitternachts-Jazz. Die gebürtige Baslerin, die an der Musikhochschule in der schönen Stadt am Rheinknie Jazzgesang unterrichtet, transportiert in „Breeze“ mit ihrer dunklen, warmen Stimme und sparsam hingehauchten Silben eine atemberaubende Intensität, die sich speist aus der Spannung zwischen drängender Sehnsucht und der Ungewissheit, ob diese wohl gestillt wird. Doch nicht lange verharrt das Multitalent in dieser Gemütslage: Lisette gibt sich mal überschwänglich, mal melancholisch, verwandelt eine türkische Volksweise in eine verführerische Jazz-Hymne („Burasi Mustur“) oder scattet sich virtuos durch die zehn Minuten von „Siawaloma“.
Siawaloma: Dieses aus Afrika stammende Wort für Gemeinschaft ist nicht nur Motto des Albums – so heißt auch die Band, die mit der Sängerin zur Einheit verschmilzt. Wie die vier Herren um den brillanten Pianisten Colin Vallon ihre Frontfrau stets aufs Neue stimulieren, ist reinster Hörgenuss. Die Tontechnik hat‘s bestechend räumlich und konturenscharf festgehalten.
Matthias Inhoffen AUDIO 02/10
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