Audiophile CD des Monats: Ewen Carruthers
One Red Show
Wer ausreichend Hörerfahrung hat, kann die typische Soundsprache von Günter Pauler fast schon blind erkennen, ohne auch nur einen Blick auf die production credits im Booklet zu werfen: voll im Grundton, herbstlich warm ausgeleuchtet, mit viel Intimität und nicht zuviel Raum. So tönt das Klangbild, das der Chef von Stockfisch Records seit fast drei Jahrzehnten vom hessischen Northeim aus auf Stereo- und Mehrkanal-SACDs bannt – ganz dem Firmenmotto „closer to the music“ verbunden. Das mag auf die Dauer etwas konservativ anmuten, insbesondere auf Hörer, denen der Sinn nach einer „vitaleren“, komplexeren Klangästhetik steht. Aber Fakt ist: Pauler trifft damit den Geschmack von etwas älteren audiophilen Gemütern ganz vortrefflich – und der Klang passt exakt zur Musik, die sich ebenso konstant in den Gefilden von Folk, Songwritertum, Country und Blues bewegt.
Die neue Disc von Ewen Carruthers ist denn auch ein prototypisches Stockfisch-Werk. In einfach „schönem“ Klang und mit reifer, melodiöser Stimme singt sich der nordenglische, seit geraumer Zeit in Kalifornien lebende Songpoet durch ein Dutzend ruhiger Folksongs, die gute Bekannte aus der Stockfisch-Familie wie Beo Brockhausen oder Ian Melrose mit feinen Farbtupfern von Whistle, Harmonika oder Piano colorieren. Und selbst wenn Carruthers etwas dunklere Themen in Angriff nimmt (wie in „Hey Katrina“, das vom gleichnamigen Jahrhundert-Hurrikan erzählt, der 2005 die Mississippi-Metropole New Orleans an den Rand des Zusammenbruchs brachte), bleibt sein Erzählton milde, fast kontemplativ.
Die Zweikanal-SACD projiziert diesen in sich ruhenden Songkosmos dann noch etwas runder und vollmundiger in den Raum als die schon sehr sonor tönende Normal-CD – und dazu öffnet eine subjektiv leicht alternativ klingende Abmischung (was etwa die Gewichtung von Stimme und Gitarre betrifft) minimal andere Blickwinkel.
Christof Hammer AUDIO 02/10
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