plus Kraftvoll, präzise und hochauflösend im Klang, perfekt ausgestattet im Bild.
plus Unübersichtliche Lautsprecherklemmen-Beschriftung

High-End-Klasse
98 Punkte

Community-Bewertung:

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Von wegen „Video Killed The Radio Star“: Das neue Onkyo-Flaggschiff ­offeriert Oberklasse-Bildverarbeitung und bringt obendrein Internet-­Radio ins Wohnzimmer. Doch geht der Fortschritt auf Kosten des Klangs?


Wo soll das noch hinführen? Wenn man alle Details des neuen AV-Receivers Onkyo TX-NR 5007 stichpunktartig abhandeln wollte, würde das schon den für diesen Test zur Verfügung stehenden Textrahmen sprengen. Selten war eine dieser All-in-One-Audio-Video-Steuerzentralen für Bild und Ton derart hoch gerüstet und dann auch noch so mustergültig aufgebaut, dass man sich allein darüber schon zahlreiche Absätze lang auslassen könnte. Professionelle Testberichte gibt es ja gerade deshalb: um die Informationsfülle auf einen leichter verdaulichen Happen einzudampfen. Doch dieser 25 Kilo-Brummer bringt den Kopf jedes Autors zum Qualmen – er ist eine echte Herausforderung.

 Kommen wir also gleich zur Sache, um keine Zeile zu verschwenden. Onkyo spendierte dem neuen Flaggschiff nicht nur neun Verstärker-Kanäle, die im Labor üppiges Leistungspotenzial unter Beweis stellten. Die Japaner packten auch noch State-of-the-Art-Video-Technologien dazu, etwa den edlen Video-Prozessor HQV Reon VX, der Standard-Video-Signale mit größtmöglicher Sorgfalt auf 1080p skalieren kann, und legten noch die Netzwerk-Tauglichkeit obendrauf.

Wer sich ob dieser geballten High-Tech-Ladung in einem gemeinsamen 43,5 x 19,9 x 46,4 Zentimeter großen ­Gehäuse wegen möglicher Klangbeeinträch­tigungen Sorgen macht, der dürfte durch den Anblick des pikobello aufgebauten Innenlebens erleichtert aufatmen. Klare Sache, dass alle Audio-Gourmets ihre Blicke zuerst über das die gesamte vordere Hälfte des Gehäuses einnehmende Netzteil schweifen lassen. Diese Mutter aller Receiver-Stromversorgungen ist spiegelbildlich aufgebaut. In der Mitte thront ein längs liegend eingebauter, von einer dicken Metallhülle gekapselter Ringkerntransformator für die neun senkrecht eingebauten Endstufen. Auf beiden Seiten sitzen zusätzliche Transformatoren zur getrennten Versorgung der Audio-Kleinsignal- und Videover­arbeitung. Vom restlichen Receiver-Innenleben ist die Trafosektion durch die Endstufen-Kühlkörper separiert, eine Wand aus verripptem Aluguss, die zumindest gegen elektrische Felder auch eine gewisse Abschirmwirkung entfaltet. Die beiden riesigen 22.000-Mikrofarad-Elektrolytkondensatoren für die Leis­tungssektion sitzen zwischen den Endstufen im Zentrum des Receivers. Am Heck, direkt hinter den Anschlüssen, befindet sich, in mehreren Etagen aufgebaut, die Bild- und Ton-Verarbeitung. Die Eingangssektion bedient bis zu acht HDMI-Quellen wie HDTV-Tuner oder Blu-ray-Player und zwei HDMI-Bildausgabegeräte, was Flat-TV- und Beamer-Kombi-Nutzer erfreut.

Klar, dass der mit drei Aureus-DSP-Chips von Texas Instruments aufgebaute Decoder nativen HD-Ton verarbeiten kann, die Digital-Analog-Wandlung erledigt er aber mit als extrem Jitter-arm geltende 32-Bit-DACs vom Typ PCM 1795 von Burr Brown mit 192 Kilohertz Samplingfrequenz für alle Kanäle. Videoseitig wendet sich Onkyo an ganz penible Augenmenschen, die über ihren Receiver die angeschlossenen Bildquellen von einem Fachmann nach ISF-Standard (Imaging Science Foundation) separat kalibrieren lassen können. Denn der 5007 merkt sich die jeweiligen Einstellungen für Parameter wie Helligkeit, Kontrast, Farbton, Sättigung oder Gamma, um sie nach dem Umschalten auf einen bestimmten Bild-Eingang wieder abzurufen. Last but not least lässt sich der TX-NR 5007 via Ethernet-­Buchse ans Heimnetzwerk anschließen – mit dem Segen der Kompatibilität zu Windows 7 und dem DLNA-Standard (Digital Living Network Alliance). So holt er ganz ohne Computer Internetradio ins Wohnzimmer, mit tausenden nach Themenbereichen geordneten Programmen. Und wer einen Rechner oder eine NAS-Speicherlösung (Network Attached Storage) ans Netzwerk angeschlossen hat, der kann Audio-Dateien in den gängigen Formaten MP3, AAC, FLAC, Ogg Vorbis, LPCM, WAV sowie WMA und WMA Lossless auf den Receiver streamen und über die Anlage hören.

Selten hing in einem Receiver-Hörtest das Schicksal von so Vielen von so Wenigen ab. Als sich im Stereo-Durchgang zwei Endstufen des 5007 mächtig ins Zeug legten, konnten die restlichen sieben Kanäle nur im Leerlauf vor sich hinschmoren. Doch die beiden machten ihren Kameraden alle Ehre: Die Unnachgiebigkeit, mit der das Dickschiff „When I Was Cruel“ von Elvis Costello (Island) aus den B&W 801 D herauspresste, sucht unter AV-Receivern ihresgleichen. Das Anreißen der E-Gitarre kam mit selten gehörter Attacke, das Schlagzeug stand knochentrocken im Raum. Andere ­Scheibe, gleiche Wirkung: Me‘Shell Ndegéocello und ihre Begleitband trugen sehr eindringlich ihr „Dead Nigga Blvd.“ (Maverick) vor. Im Vergleich zum Denon AVR-4308 (AUDIO 2/08) wirkte der Onkyo ein ganzes Stück dynamischer und noch knackiger,  allerdings auch etwas kühl. Stimmen besaßen über den Denon noch mehr Flair und zeigten einen Zugewinn an Farbschattierungen, doch das reichte nicht, um die Stärken des Onkyo in Sachen Präzision, Auflösung und Dynamik aufzuwiegen.

Keine Frage, wer anschließend in Surround mit Filmen wie „Wall-e“ am eindrucksvollsten auf die Pauke haute und Special Effects zum perfekten Auftritt verhalf: der Onkyo natürlich. Doch auch mit Musik-DVDs wie „Norah Jones Live In New Orleans“ (EMI) konnte der Hans Dampf punkten. Er zeichnete das Geschehen extrem präzise nach und schuf die Illusion von einem sehr großen Raum. Den Bass behielt er dabei vorbildlich unter Kontrolle. So abgegriffen das Wort „staubtrocken“ auch sein mag, hier hat es seine Berechtigung. In den Höhen holte der 5007 jede Nuance aus den Aufnahmen. Im Gegensatz zum etwas relaxteren Denon konzentrierte sich der stürmische Newcomer allerdings mehr auf die Attacke als auf das Ausklingen von Saiten, was der Wiedergabe Tempo verlieh, aber Körper kostete. Dennoch endete auch der DVD-Durchgang mit Punktsieg für Onkyo.

Im entscheidenden HD-Tontest ging es schon enger zu. Der aufbrausende Onkyo konnte sein Frischeplus nicht mehr so leicht ausspielen. Das Powerplay des TX-NR 5007 wirkte fast schon „larger than live“, brachte aber gegenüber dem souverän-lässigen Denon keinen bedeutenden Zugewinn an Authentizität und Emotionalität mehr. Allerdings bildete der Onkyo messerscharf genau ab und schuf einen riesigen, besonders stabilen Raum. Ebenfalls unübertroffen: die Transparenz. Damit machte der Onkyo den Hattrick perfekt und sicherte sich dreimal ein Punkte-Polster auf das Vergleichsgerät aus der Bestenliste, was ihn an die Spitze der High-End-Klasse aufsteigen lässt.

Stefan Schickedanz
25.01.2010

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