plus Warm abgestimmt, sanft-analoger Sound mit riesigem Fundament, Röhrentauglich
plus Könnte offener, prägnanter und detailreicher spielen

sehr gut
86 Punkte

Community-Bewertung:

0

Anders als bei Canton ist die Celan XT-Serie von Heco weitgehend eine Neuentwicklung. Und das sieht man: Das echtholzfurnierte Gehäuse, dessen Maserung man mit den Fingern erspüren kann, bringt mit einer schrägen Kante oberhalb der Schallwand ein neues Formenspiel in die Boxenlandschaft. Schrägen dieser Art sind akustisch durchaus sinnvoll, verringern sie doch auch für Mittenfrequenzen deutlich eine Schallbrechung an der Kante.


  Auch den Chassis wurde mehr als eine Renovierung zuteil. Beim Mitteltöner stand sogar eine komplette Neuentwicklung auf Basis des hochgerühmten Statement-Mitteltöners an (AUDIO 1/09). Er trägt dessen Gewebesicke und Kraftpapiermembran, wird jedoch von einem konventionellen Ferritmagneten statt des sündteuren AlNiCo-Rings angetrieben. Die Trennfrequenz zwischen Tief- und Mitteltöner wählten die Heco-Ingenieure um Martin Groß mit 250 Hertz zwar im üblichen Bereich, die Filterung arbeitet aber flach: Das sorgt zumindest theoretisch für mehr Homogenität, da der gesamte Stimmbereich bis 3400 Hertz aus einem Töner kommt. Der Konus muss jedoch auch stärker mitarbeiten und hat es unter Umständen schwerer, bei hohen Pegeln die Klarheit zu halten. Kein Problem haben dürfte damit der erst spät einsetzende neue Hochtöner, dessen Membran aus einer weichen Gewebekonstruktion mit aufgebrachten Nanopartikeln besteht. Davon versprechen sich die Ingenieure ein resonanzarmes Verhalten bei gleichzeitig hoher innerer Dämpfung durch die winzigen Partikel. Wie in den gehobenen Heco-Serien üblich, gibt es auf dem Bi-Wiring-Terminal eine Anschlussoption: Die Höhen lassen sich um zwei Dezibel anheben.

Die AUDIO-Crew versuchte es zunächst einmal mit der Stellung „Neutral“. Der Unterschied zur KEF XQ 40 war beträchtlich. Zwar beeindruckte die Celan XT 901 beim Schlusschor „Wir setzen uns mit Tränen nieder“ (Matthäus-Passion von Bach, Guttenberg) mit Volumen und Stimmhaftigkeit, wirkte jedoch im Vergleich zur nicht gerade hellen XQ auch etwas belegt. Einigen Hörern schien der Choral sogar etwas schleppender interpretiert worden zu sein als zuvor. Doch die Ursache war vom Messlabor schnell dingfest gemacht: Wenn die Höhenbrücke auf die Einstellung „+ 2 dB“ wandert, klappt‘s auch mit Glanz und Gloria besser. Und „You Are My Kind“ – die Co-Produktion von Santana und Seal (Arista) – rauschte mit geradezu unglaublicher Autorität und Größe in den Raum.

Fast schon üppig groovte der Tiefbass der Heco, melodisch und singend erklang des Altmeisters Gitarrensound. So analog und warm tönte die Celan XT 901, dass man spontan Rillenrauschen und Plattenknistern vermisste. Doch nichts da: Der Titel kam von DVD-Audio, klang aber über die Heco im positiven Sinne wie eine LP.

Überhaupt blieb die Celan immer ihrem leicht dunklen, gemütlichen Ton treu, was sich bei historischen, tendenziell etwas nervigen Aufnahmen wie „Time Of The Season“ (Zombies, AUDIO „Great Music Vol. 1“) mit einem sanfteren Klangbild immer positiv bemerkbar macht. Hier  konnte die Vento 890 DC bei Klassik und modernem Pop etwas mehr dynamischen Zug entwickeln, die KEF mehr Details darstellen. Homogener und auch bei geringen Pegeln autoritärer blieb freilich die Heco.

Malte Ruhnke
26.01.2009

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