plus Audiophile, neutrale und spielfreudige Box mit toller Klangfarbenpalette
plus Freistehend Tiefbass mit eingeschränkter Autorität

überragend
91 Punkte

Community-Bewertung:

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Canton zeigte mit der Karat-Serie einen Trend zu schmalen Konstruktionen, leitete jedoch mit der harmonisch verrundeten Vento 809 (Test: AUDIO 3/05) bewusst eine Design-Renaissance ein. Der Erfolg war für Canton sicher auch ein Grund, das Nachfolgemodell mit der Nummer 890 nur in Detailfragen zu optimieren und keine völlige Neukonstruktion auf den Markt zu bringen.


Chefentwickler Frank Göbl nahm sich besonders Membranen und Antrieb vor. Beim Hochtöner fiel seine Wahl auf eine Aluminium-Mangan-Legierung, die eine leichte, steife und gleichzeitig weniger resonanzanfällige Membran ermöglicht. Schwingspulenträger und Ein-Zoll-Kalotte sind dabei aus einem Stück Blech geformt, was die Wärmeableitung ebenso verbessert wie die Stabilität. Die Wicklungen sind kurz gehalten und bewegen sich in einem relativ langen Magnetspalt; der Fachmann spricht hier von einer Unterhangspule. Diese Technik besitzt den großen Vorteil, hohe Hübe bei geringer bewegter Masse vollführen zu können. Um das Abstrahlverhalten konstant zu halten und die Kalotte nicht von unten nach oben ihrer steigenden Eigenbündelung zu überlassen, sorgt ein Tandem aus Waveguide und Schall-Linse je nach Frequenz für eine Aufweitung oder Verengung des Abstrahlwinkels.

Für Tief- und Mitteltöner setzt Canton reines Aluminium ein – und ebenfalls eine Unterhangspule, was im Bassbereich eher ungewöhnlich ist. Damit im Inneren des Gehäuses keine stehenden Wellen entstehen, die über den Umweg des Reflexrohres oder der nicht so harten Membranen den Weg zum Hörer finden könnten, besitzt die Vento-Serie ein nach hinten verrundetes Gehäuse. Sechs dünne Faserplatten werden unter Druck großflächig zu dieser Form verleimt, die sich ähnlich einer gebogenen Staumauer besonders stabil gegen Druck  und  Verwindung  zeigt.

Wer den rauen Alltag eines HiFi-Testers kennt, weiß um die sehr subtilen Unterschiede zwischen Elektronik-Komponenten und die vergleichsweise gigantischen Differenzen, wenn zwei Boxen zum AB-Vergleich antreten. Die Canton Vento 890 und die vollkommen anders aufgebaute KEF XQ 40 (AUDIO 3/08) dagegen klangen fast wie Zwillinge – ein untrügliches Zeichen dafür, dass beide Entwickler tonal richtig liegen. Die XQ projizierte im Finale II von Wagners „Lohengrin“ (Kubelik, DG) die Opernbühne genauer und weiter, ließ den Akteuren etwas mehr Luft zum Atmen, während die Canton direkter, dafür auch straffer und mitreißender zu Werke ging. Herrlich, wie sie das dramatische Geschehen auf den Höhepunkt, das Verbotsmotiv, zuspitzte, ohne auch nur ein Quentchen dieser hochkomplexen Musik zu unterschlagen. Wie die KEF machte auch sie schnell vergessen, dass hier „nur“ eine Box und „nur“ eine gewöhnliche CD spielten, so stimmig und natürlich wirkte das Klanggeschehen.

Wenn‘s um den Spaß ging, zeigte sich die Canton erstaunlich wandlungsfähig: „On Every Street“ von den Dire Straits (Polygram) zum Beispiel benötigt weniger Klangfarbentreue und Bühnendarstellung, aber dafür straffe Dynamik und Druck im Bass. Ersteres lieferte die Vento im Überfluss, beim Schub hielt sie sich zugunsten des Timings ein wenig zurück. Trotz Pingpong-Stereo und historischem Drumsound entwickelte „Strange Days“ von den Doors (Warner) ähnlichen Drive wie das von Top-Gitarrist Steve Vai nicht besonders sauber und eher schlank eingespielte „Flex-Able“.

Malte Ruhnke
26.01.2009

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